Händel und der Sängerinnen wegen

Kultur / 08.12.2019 • 20:41 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Rafał Tomkiewicz und Jenna Siladie in „Giustino“. Oper/Prammer
Rafał Tomkiewicz und Jenna Siladie in „Giustino“. Oper/Prammer

„Giustino“ wird in der Kammeroper ob der Modernität zur Entdeckung.

Wien Ort des Besonderen zu sein, etwa der Raritäten oder der aufstrebenden Sängerinnen und Sänger, dazu sind solche Bühnen gut und diesen Anspruch hat die Kammeroper, das kleine Haus des Theaters an der Wien, mit „Giustino“ von Georg Friedrich Händel erfüllt. Die 1737 uraufgeführte Geschichte vom Aufstieg des Bauern Giustino zum Herrscher hat dem Komponisten einst zwar wenig Glück gebracht, gilt seit Jahrzehnten aber als Beispiel für seine Modernität und würde mit einigen Strichen auch konzertant funktionieren, was Markellos Chryssicos gut differenziert in zupackender Manier mit dem Bach Consort Wien unterstreicht. Mit Countertenor Meili Li, Sopranistin Jenna Siladie, Mezzosopranistin Tatiana Kuryatnikova oder dem Tenor Johannes Bamberger stehen entdeckenswerte Vertreter der jeweiligen Stimmlage parat. Die äußerst intrigenreiche, im Byzanz des 6. Jahrhunderts angesiedelte Handlung überlagern Regisseur James Darrah und Ausstatter Adam Rigg mit der Tristesse eines amerikanischen Motels der 1970er-Jahre, mit Hippie-Tum und gefährlichen Heilsverkündern, was den Darstellern enorme Flexibilität abverlangt.

Mit den weiteren Ensemblemitgliedern spielen und singen sich diese derart agil durch die rasch wechselnden Schauplätze, dass es kaum stört, dass die Regie mit dem Sex-and-Crime-Konzept nicht schlüssig auf den Punkt kommt. Es soll ohnehin nicht einfach sein mit dem Heil, die Produktion hat auch szenisch enorm starke Momente und sie berücksichtigt nicht nur die Aufwertung der weiblichen Figuren bei Händel, sondern treibt sie überraschend voran. VN-cd

Weitere Aufführungen ab 9. Dezember bis 4. Jänner (Dauer: knapp drei Stunden) in der Kammeroper Wien: www.kammeroper.at