Felder, der Schriftsteller und unermüdliche Sozialreformer

Kultur / 09.12.2019 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Franz Michael Felder auf dem Totenbett. vlbg. Privatsammlung, Foto: Jana Sabo
Franz Michael Felder auf dem Totenbett. vlbg. Privatsammlung, Foto: Jana Sabo

Letzte Bildnisse haben in der Kunst Tradition, mitunter haben die Originale Seltenheitswert.

Schoppernau, Bregenz Die Lebenszeit von Franz Michael Felder war mit knapp 30 Jahren sehr kurz. Als er im April 1869 in seinem Haus in Schoppernau an Lungentuberkulose starb, war er bereits ein bekannter Schriftsteller. Als unermüdlicher Sozialreformer hatte er zudem erfolgreich in das Räderwerk sozialer Ausbeutung eingegriffen. Sein Leben war hart. Seine geliebte Frau Anna Katharina, seine Stütze in all seinen Unternehmungen, starb völlig unerwartet im Jahr 1868 und hinterließ fünf Kinder. Wenige Monate später waren die Minderjährigen somit Vollwaisen. 

Das Totenbildnis von Felder wurde von seinem Schwager, dem Juristen Kaspar Moosbrugger, in Auftrag gegeben, der mit dem Verstorbenen die Partei der Gleichberechtigung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft gegründet hatte und dafür Nachteile in seiner Karriere in Kauf nahm. Als Fotograf für das Erinnerungsbild wurde Michael Rützler nach Schoppernau gebeten, der in Dornbirn ein Geschäft betrieben hatte und Felder bereits zu Lebzeiten fotografierte. Zwei Ansichten wurden hergestellt. Bei der nebenan abgebildeten handelt es sich um einen der höchst seltenen Originalabzüge. Sie zählt zu den Fundstücken aus Vorarlberger Privatbesitz, die der Kunstexperte Tobias G. Natter begutachtet hat und die von den VN in lockerer Reihenfolge dargelegt werden.

Alltägliche Nähe

Letzte Bildnisse haben in der Kunst Tradition. Als Malerei oder Zeichnung sind sie Bestandteil des Werks vieler namhafter Künstler. Mit der Entwicklung der Fotografie gewannen sie eine neue Dimension und erreichten im frühen 20. Jahrhundert eine große Verbreitung. Die Aufnahmen thematisieren auch den Tod in seiner alltäglichen Nähe. Verstorbene wurden zu Hause in der guten Stube aufgebahrt, im Bregenzerwald war das zum Teil bis herauf in die Gegenwart der Fall.

Zum 150. Todestag von Franz Michael Felder fanden heuer zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Reihe findet nun mit einem besonderen Handke-Felder-Abend am 10. Dezember anlässlich der Nobelpreisverleihung einen Abschluss. Peter Handke schätzt Felders Texte sehr und tat dies in einem Vorwort zu einer Neuausgabe von Felders Buch „Aus meinem Leben“ entsprechend kund. VN-cd

Livestream zur Nobelpreisverleihung an Peter Handke im Landesarchiv in Bregenz (Kirchstraße) mit anschließender Diskussion mit Jürgen Thaler, 10. Dezember ab 16 Uhr.