Hüllenlos kamen Frauen eher ins Museum

Kultur / 09.12.2019 • 22:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Gestaltung der KUB-Fassade mit Bild von Anne Marie Jehle zeigt auch unwürdige Mechanismen im Kunstbetrieb.

Bregenz Die Kunsthaus-Leitung wird kaum mit den ansonsten absolut berechtigten Vorwürfen konfrontiert, denn seit der Eröffnung des Hauses im Sommer 1997 wurden Arbeiten von Künstlerinnen ausgestellt bzw. eigens im Auftrag für das Kunsthaus geschaffen. Würde man den Prozentsatz eruieren, wären sie zwar immer noch in der Minderzahl, aber immerhin, Werke von Cindy Sherman, Ingeborg Strobl, Louise Bourgeois, VALIE EXPORT, Mariko Mori, Ruth Schnell, Cosima von Bonin, Haegue Yang, Rachel Whiteread, Candice Breitz, Ulrike Müller, Barbara Kruger, Joan Mitchell, Susan Philipsz, Mika Rottenberg, Tacita Dean oder Rosemarie Trockel, um einige der bekanntesten Namen zu nennen, wurden im KUB präsentiert. Aktuell läuft die Schau der jungen deutschen Künstlerin Raphaela Vogel. Das Jahresprogramm 2020 enthält Ausstellungen von Bunny Rogers und Dora Budor, Flaka Haliti wird, vermittelt vom Kunsthaus, das Bühnenbild für eine Opernuraufführung der Bregenzer Festspiele gestalten.

Vielleicht nicht nur weil man trotz allem etwas aufzuholen hat, sondern auch weil damit die Aufmerksamkeit auf eine Künstlerin gelenkt wird, hat das KUB, dieser Zumthor-Bau am Bodenseeufer, seit Montag eine neue Fassade. Fast eine ganze Wand umspannt ein bearbeitetes, mit dem Schriftzug Kunsthaus versehenes Selbstporträt aus den 1970er-Jahren von Anne Marie Jehle (1937–2000), das Selbstbewusstsein, Klischees wie den männlichen Blick  oder das Porträt selbst ebenso thematisiert wie die Tatsache, dass Künstlerinnen die Präsenz in Museen lange Zeit mehr oder weniger verwehrt blieb, es sei denn, sie waren nackt, also Motiv eines von einem Mann geschaffenen Aktbildes wie die Guerilla Girls, eine Gruppe von feministischen Aktivistinnen, festhielten.

Größtmögliche Plattform

Anne Marie Jehles Œuvre umfasst Objekte, Malereien, Grafiken, Fotografien und Rauminszenierungen. Zuletzt fanden Ausstellungen einiger Werke der aus Feldkirch stammenden Künstlerin in der Galerie Hollenstein in Lustenau und im Kunstmuseum in Vaduz statt. Zu Lebzeiten hatte sie mit Verkennung zu kämpfen, lebte eine Zeitlang in den USA und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Der umfangreiche Nachlass mit zahlreichen gesellschaftskritischen Arbeiten bietet Kunsthistorikerinnen noch ein inspirierendes Betätigungsfeld. Insofern ist es gut, dass sich das Kunsthaus Bregenz nun dazu entschied, der Künstlerin und einem Werk, in dem sich einige ihrer Themen widerspiegeln, die größtmögliche Plattform zu bieten. VN-cd

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Anne Marie Jehle beschäftigte sich mit Rollenbildern. rudolf Sagmeister, CD
Anne Marie Jehle beschäftigte sich mit Rollenbildern. rudolf Sagmeister, CD

Offizielle Eröffnung des Fassaden-Projektes: 12. Dezember, 19 Uhr, Kunsthaus Bregenz, u. a. mit Dorothea Goop-Jehle.