Komik ohne Klamauk

Kultur / 10.12.2019 • 22:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Don Pasquale“: Regisseur Christof Loy gelingt ein Kunststück in den Bühnenbildern von Johannes Leiacker. oper/Rittershaus
„Don Pasquale“: Regisseur Christof Loy gelingt ein Kunststück in den Bühnenbildern von Johannes Leiacker. oper/Rittershaus

Donizetti-Spaß jenseits abgenudelter Klischees.

ZÜRICH Will auf der Bühne ein alter Geizkragen eine junge Frau heiraten, geht das schief. Denn so ticken sie nun mal, die Gesetze der Commedia dell’arte. Auch im Falle des 1843 uraufgeführten Dreiakters „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti. Der „Hausarzt“ von Don Pasquale verkuppelt diesen mit der als züchtige Nonnenkonvents-Schülerin verkleideten lebenslustigen Frau, die zu heiraten der alte Knacker seinem Neffen Ernesto untersagt hat.

Komisch? Ja, freilich. So anarchisch-brutal funktionieren eben unsere Lachreflexe. Aber wie wäre es, wenn Don Pasquale auch eine verwundbare Seele hätte? Ja, wenn überhaupt das Ganze nicht bloß ein harmloser Schwank wäre? Dem Regisseur Christof Loy gelingt am Opernhaus Zürich das Kunststück, in den von Bühnenbildner Johannes Leiacker (den man in Bregenz von der Festspiel-„Tosca“ kennt) ersonnenen eleganten Räumen und in jetztzeitlichen noblen Kostümen von Barbara Drosihn fühlende Menschen samt ihren Doppelbödigkeiten auf die Bühne zu bringen und dabei die Gesetze der Buffa-Mechanik nicht zu verleugnen. Der ungemein starke Sängerdarsteller Johannes Martin Kränzle in der Titelrolle vermag mit seinem hell-warm timbrierten und präzis geführten Bariton und mit seiner agilen Körpersprache und Mimik auch zarte Regungen zu vermitteln und selbst schrullige bis pathologisch-bizarre Seelendimensionen aufzureißen.

Verwandlungskunst

Die Sopranistin Julie Fuchs gibt mit entwaffnender Spiel-Verve und mit bravourösem Gesang die junge Witwe Norina als eine männerverschlingende Verwandlungskünstlerin, die vor Don Pasquale zuerst ein rehscheues Wesen mimt, um ihm dann die Ehehölle auf Erden zu bescheren. Mingjie Lei in der Rolle des Ernesto begeistert mit seiner phänomenalen tenoralen Legato- und Phrasierungskunst. Mit Konstantin Sushakov ist der grausam intrigierende Malatesta perfekt besetzt, und auch der von Ernst Raffelsberger einstudierte Chor überzeugt.

Das Mitleid, das Norina zeigt, nachdem sie Don Pasquale eine Ohrfeige verabreicht hat, passt (noch) in dieses Regiekonzept. Indem sich die beiden dann später, wenn diejenigen zusammenkommen, die zusammenkommen wollen, in einer traumartigen Sequenz sogar in den Armen liegen, überspannt Christof Loy allerdings den Bogen der Gattung. Mit Enrique Mazzola, ebenso in Bregenz bestens bekannt, dirigiert ein ausgewiesener Fachmann im Belcanto-Fach. Das wird hörbar auch daran, wie die Philharmonia Zürich vital durchpulste, schlanke, farbenfrohe Klänge aus dem Orchestergraben entsendet.

Infozeile In dieser Saison noch bis 9. Januar (Dauer: zweieinhalb Std.). www.opernhaus.ch