Die Botschaft ist angekommen

Kultur / 11.12.2019 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Konzert mit Martina Gedeck, Dorothee Mields und dem Concerto Köln in Feldkirch. Die nächste Zwischentöne-Reihe beginnt am 3. Februar. Zwischentöne/M. Rhomberg
Konzert mit Martina Gedeck, Dorothee Mields und dem Concerto Köln in Feldkirch. Die nächste Zwischentöne-Reihe beginnt am 3. Februar. Zwischentöne/M. Rhomberg

Zwischentöne setzten zum Ende des „Warten“-Projekts literarisch-musikalischen Hochkaräter.

FELDKIRCH Das war eine Adventbotschaft, wie man sie sich in solch zu Herzen gehender schlichten Natürlichkeit nur wünschen konnte. Mit einer exzellenten literarisch-musikalischen Zusammenstellung in qualitätsvoller Darbietung landeten die Montforter Zwischentönen zum Abschluss ihres Themenschwerpunktes „Warten“ einen Hochkaräter, der das Zeug hat zum Bollwerk gegen die zunehmende geistige Verflachung der schrillen Vorweihnachtszeit.

Die Botschaft ist angekommen bei den zahlreichen Menschen, die ins Montforthaus kamen und sich dort von einem mit viel Bedacht und Repertoirekenntnis ausgewählten Programm gefangen nehmen ließen. Es trägt den Titel „Immer warte ich auf ein Wunder“, das Wunder sind drei toughe Frauen, jede von höchster Präsenz und Kompetenz in ihrem Bereich, die in der Hauptsache für den rauschenden Erfolg dieses stillen Abends verantwortlich sind.

Exquisite Collage

Wort und Musik mischen sich im idealen Verhältnis zu einer exquisiten Collage, in der die hier erstmals tätige Martina Gedeck aus der ersten Reihe der deutschsprachigen Schauspielerriege den literarischen Bereich vertritt. Großartig, wie sie mit deutlicher Zurückhaltung die Strahlkraft ihrer Persönlichkeit ausspielt, mit ihrer Rezitationskunst auf „erlesene“ Weise in einem doppelten Wortsinn den Gehalt der Vorweihnacht vertieft. Die ausgewählten Texte werfen viele philosophische Fragen auf wie in Samuel Becketts „Warten auf Godot“, viel zum Nachsinnen, und selbst wenn die Geschichte von Bethlehem thematisiert wird, erhält sie in der Betrachtung durch Bertold Brecht jene leichte Ironie, die jeden Anflug von Kitsch zunichtemacht, bis hin zur Kernaussage „Advent ist Warten“.

Die musikalische Basis bildet das exzellente 20-köpfige Kammerorchester Concerto Köln, das in 30 Bestandsjahren zum leuchtenden Exempel für eine frische und zeitgemäße Deutung von Barockmusik wurde. Hier funkelt die historische Aufführungspraxis in sanfter Eleganz voll Witz und Klugheit, ohne dabei vor Harnoncourts radikaler Schroffheit in die Knie zu gehen. Mastermind des Ensembles ist wieder eine Frau, die fabelhafte japanische Geigerin Mayumi Hirasaki, die neben ihrer Führungsaufgabe auch als Solistin auf der Barockvioline in Concerti von Geminiani oder Avison an Brillanz und Aussagekraft alles Denkmögliche übertrifft. Wie eine kostbare Perlenkette ziehen sich Arien durchs Programm, die der deutschen Barockspezialistin Dorothee Mields anvertraut sind. Nach Luthers unbegleitetem Choral „Nun komm, der Heiden Heiland“ setzt sie mit ihrem kultivierten Sopran in größter Schlichtheit und Noblesse vor allem in Ausschnitten aus Bach-Kantaten lichtvolle musikalische Erkenntnisse. Solovioline und Querflöte bilden zweimal dazu ein elegantes Accompagnato, die beiden Soloflöten beschwören zudem auch die Schalmeien der Hirten an der Krippe herauf.

Begeisterung

Nach einer Pause der Ergriffenheit macht sich die Begeisterung der Zuhörer Luft, damit auch eine Bestätigung für die Arbeiten des Kuratoren-Duos Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl. In einer Bach-Zugabe wird’s dann bereits Weihnachten mit dem Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“.