Dort, wo die Idee für ein Stück entstand

Kultur / 12.12.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Obertz als Chaim und Stefan Hallmayer als Adolf im Stück von Stefan Vögel. MONIKA BISCHOF

„Chaim & Adolf“ des Vorarlberger Autors Stefan Vögel wurde im Gasthof Rössle in Braz aufgeführt.

Braz Wie kann Geschichte erzählt werden? Und wie können Geschichten dazu erzählt werden?  Wie können sie tatsächlich dargestellt werden? Eine schöne und grundlegende Idee entstand hierzu einfach so: Stefan Vögel, Kabarettist und Autor, war im Gasthof Rössle in Braz zu Gast. Gastgeber Martin Bargehr erzählte ihm eine Geschichte, nämlich die, dass ein Gast aus Israel mit einem Einheimischen namens Adolf Schach spiele. Und es wäre nicht Stefan Vögel, wenn er nicht daraus einfach eine Geschichte entspann.

Stefan Vögel ist eigentlich für Komödien bekannt. Mit „Chaim & Adolf“ bewies er Fähigkeiten in einem anderen Format. „Ich fand die Mischung aus Kammerspiel, Kriminalgeschichte und Tragödie äußerst reizvoll – gerade bei diesem sensiblen Thema. Und ich wollte einen anderen Zugang zu Zwangsarbeit, Zweiter Weltkrieg und Holocaust wählen“, erklärt Vögel. „Chaim & Adolf“ erweist sich als szenisch dicht angelegtes Werk, das trotz oder gerade wegen der humorvollen Sequenzen das Publikum berührte.

Schachspiel als Metapher

„Reden wir jetzt immer noch über Schach?“, heißt es einmal. Das Schachspiel kann als eine Metapher gesehen werden, wie etwa in Stefan Zweigs „Schachnovelle“. „Einerseits ist das einfach ein äußeres Spiel, die Spielzüge sind jedoch entscheidend. All dies kann in lebensphilosophische Themen umgesetzt werden. Welche Schachstrategien im weitesten Sinn beherrschen das Leben? Und auch: Was macht den Sinn unseres Lebens schlussendlich aus?“, so Stefan Vögel. Ein Thema ist sicherlich die Schuldfrage, eine Kernfrage des Lebens generell. Inwieweit ist man für das Verhalten der früheren Generation verantwortlich?

Das Stück im Gasthaus entwickelt eine eigene Dramaturgie. Sie fand mit  Martin Obertz als Chaim, Stefan Hallmayer als Adolf sowie dem Wirt Martin mit Franz Xaver Ott (der auch Regie führte) eine gelungene Umsetzung.  Nach zahlreichen Aufführungen in Deutschland, unter anderem in den Kammerspielen in Hamburg, fand nun neben einer sehr gut besuchten Aufführung im Löwensaal in Hohenems eine Präsentation der Produktion eben in diesem Gasthof Rössle in Braz statt. Das Kammerspiel folgte hierbei einer grundlegend einfachen Dramaturgie: Chaim trifft auf Adolf, Chaims Großmutter war als Zwangsarbeiterin bei Adolfs Großeltern beschäftigt. Und aus einer Liebesgeschichte, die als solche nie bezeichnet werden durfte, entstand schlussendlich Chaim. Sexuelle Beziehungen mit Zwangsarbeitern waren tabu und wurden bestraft. Stefan Vögel hat mit diesem Stück diesen Tabus eine Stimme gegeben – eine sehr aufmerksame, feinfühlige und auch behutsame. Ihm geht es unter anderem nicht um die Opfer-versus-Täter-Geschichten, sondern um Zwischenmenschliches – das immer wieder stattfand und stattfindet. BI