Erotische Träume im Muschelbett

Kultur / 12.12.2019 • 21:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Die schöne Helena“ von Offenbach hat ein hohes musikalisches Niveau und bietet großen Spaß mit feinen Seitenhieben.Theater/Etter
„Die schöne Helena“ von Offenbach hat ein hohes musikalisches Niveau und bietet großen Spaß mit feinen Seitenhieben.Theater/Etter

„Die schöne Helena“ ist hier nichts zum Dahinschmelzen, sondern eine freche Parodie.

St. Gallen In der griechischen Mythologie bei Göttern und Halbgöttern haben Offenbach und seine Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy ihre Operette angesiedelt und eine bissige Parodie auf das Zweite Kaiserreich um Napoleon III. geliefert – Regisseur Weigner ist es gelungen, die Parodie aufs Heute umzumünzen, wo wieder unverständige Herrscher sich beweihräuchern lassen, wo noch immer Intrigen und Korruption gang und gäbe sind.

Mit Witz führt Jürgen Kirners Bühnenbild in eine Scheinwelt, wo man im Muschelbett seinen Lust-Träumen nachgibt, wo der Ring des Saturn ebenso präsent ist wie die Woge der „Schaumgeborenen“, die Paris auf dem Surfbrett in Helenas Arme treibt. Dennoch sind wir im Heute, Menelaos und Helena greifen im Bett zu Handy und Tablet, denn sonst läuft da nichts – also ist sie umso empfänglicher für den sie umwerbenden Prinzen. Um sie herum eine Hofgesellschaft, die artig König Menelaos huldigt und, von Venus verführt, begierig den eigenen Lüsten nachgeht – kein Wunder, dass 100 Tage später die Frauen mit dicken Bäuchen tanzen.

In dieser Szenerie agiert zur spritzigen Musik, die unter der Leitung von Nicolas André aus dem Graben kommt, ein spielfreudiges Ensemble, allen voran Marie-Claude Chappuis als kokettierende Helena, die sich nur zu gern ins erotische Abenteuer stürzt und doch den Schein der Moral aufrechterhalten will – wunderbar drückt das auch ihre geschmeidig girrende Stimme aus. Gustavo Quaresma ist als Prinz Paris in Spiel und Stimme der perfekte Buffo. Ohne Scheu ist Riccardo Botta der dümmliche-stolze Menelaos und David Maze ein stolzer Kalchas, der mit aufgehaltener Hand zu Diensten ist. Eine Nummer für sich ist Pascale Pfeuti als leidenschaftlich für „Frauen for Future“ kämpfende Bacchis. chv

Die nächste Aufführung im Theater St. Gallen ist am 27. Dezember 2019 um 19:30 Uhr.