Hörenswertes von einer Dreizehnjährigen

Kultur / 12.12.2019 • 20:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Unlängst wurden in Wien die renommierten Europäischen Kulturpreise Taurus verliehen. Unter den Preisträgerinnen befand sich Alma Deutscher, ein 13-jähriges Mädchen aus England, das Stardirigent Zubin Mehta als Genie bezeichnete. Dessen nicht weniger berühmter Kollege Simon Rattle zeigte sich von Deutschers unglaublicher Begabung in einem Interview mit der BBC „absolut überwältigt“. Als Alma Deutscher drei Jahre alt war, begann sie Klavier zu spielen, später kam die Geige dazu. Mit sechs hatte sie ihre erste Klaviersonate komponiert, mit sieben die erste Oper, „Der Traumfeger“. Seither reist sie mit ihrem Vater Guy, einem Sprachwissenschaftler, um die ganze Welt und stellt ihr außergewöhnliches Talent von Londons National Opera bis zum Luzern Festival unter Beweis. Vor drei Jahren vollendete sie ihre erste abendfüllende Oper „Cinderella“, die ihre Premiere 2016 in Wien unter der Schirmherrschaft des Dirigenten Zubin Metha hatte. Im Zentrum steht die Musik.

Die böse Stiefmutter, Prinzipalin eines Vorstadtopernhauses, die Stiefschwestern, talentlose Diven und Cinderella, eine junge Komponistin, die ihre schönen Melodien, „die in ihren Kopf springen“, nicht aufführen darf. Ihr Prinz ist ein Dichter, und der verlorene Schuh die bezaubernde Musik, zu der er seinen Text verfasste. Deutscher erklärte: „Ich wollte nicht, dass Cinderella einfach hübsch ist. Ich wollte, dass sie ihren eigenen Verstand und ihren eigenen Geist hat. Und ein bisschen so ist wie ich. Also entschied ich, dass sie eine Komponistin sein würde.“

Aber Alma arbeitet nicht nur an Opern und Klavierkonzerten, sondern spielt auch selbst leidenschaftlich gerne Geige und Klavier. So verzauberte sie ihr Publikum im Wiener Konzerthaus mit einem Klavierkonzert.

Auch wenn sie das Etikett Wunderkind immer wieder zurückweist, ist Alma Deutscher selbstbewusst. In ihrem Musikzimmer hängt ein Bild von „Nannerl“ Mozart, die ebenfalls eine talentierte Komponistin war. Alma dazu: „Leider musste sie sich um den Haushalt kümmern, weil sie ein Mädchen war. Das muss ich zum Glück nicht.“ Seit 2010 hat ihr offizieller YouTube-Kanal bereits mehr als sieben Millionen Aufrufe. Im Dezember ist sie am Piano mit ihren Kompositionen in New York‘s Carnegie Hall zu hören und zu sehen. Das Konzert ist bereits ausverkauft.

Alma lebt und arbeitet seit 2018 in Wien. Für Alma ist Wien – wie sie sagt – die Weltmusikhauptstadt, eine Stadt, in der täglich von der Staatsoper bis zum Musikverein herausragende Musik der Weltklasse geboten wird, eine Stadt, in der junge Talente inspiriert und herausgefordert werden, eine lebenswerte Stadt. Bei all unserem Hang zur Selbstkritik und zum Suderantentum sollte uns dieses Kompliment auch ein wenig stolz machen .

„Auch wenn sie das Etikett Wunderkind immer wieder zurückweist, ist Alma Deutscher selbstbewusst. In ihrem Musikzimmer hängt ein Bild von „Nannerl“ Mozart.“

Gerald Matt

gerald.matt@vn.at

Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.