Viel mehr als nur ein Klimt-Fund

Kultur / 12.12.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim in Piacenza gefundenen „Bildnis einer Frau“ ist laut Natter von einem Wert zwischen acht und zwölf Millionen Euro auszugehen.  REUTERS

Experte Tobias G. Natter weiß, dass sich unter dem „Bildnis einer Frau“ ein weiteres Bild befinden muss.

Christa Dietrich

Piacenza, Bregenz Der Fund ist eine Sensation, und die Geschichte ist noch spannender als jene, die über die Agenturen tickerte. Das „Bildnis einer Frau“, mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Spätwerk von Gustav Klimt (1862-1918), ist nun in einem Verlies im Garten der Galerie Ricci Oddi in der italienischen Stadt Piacenza gefunden worden. Die Echtheit eines der meistgesuchten Gemälde der Welt ist zwar noch nicht bestätigt, aber schon die Indizienlage spricht dafür, dass es sich um jenes Kunstwerk handelt, das vor 22 Jahren während Renovierungsarbeiten aus dieser Galerie gestohlen wurde. Man geht davon aus, dass es die Personen, die es damals entwendet hatten, am jetzigen Fundort versteckten, um es später zu holen und zu veräußern. Dazu ist es nicht mehr gekommen.

Zwei Bilder in einem

Der Diebstahl machte damals begreiflicherweise viel Wind und führte zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Doch auch aus einem anderen Grund machte das Werk damals Schlagzeilen. Der Vorarlberger Kunsthistoriker und Klimt-Experte Tobias G. Natter gab den VN Auskunft: „Das Gemälde ist ein Beleg, dass Klimt vollendete Werke auch grundlegend überarbeitete.“ Während lange Zeit davon ausgegangen wurde, dass das um 1910 entstandene Gemälde „Backfisch“, ein Porträt einer jungen Frau mit erotischem Touch, verschollen ist, gelang es einer Studentin aus Piacenza nach einem Verdacht mittels Röntgen- und Ultraviolettuntersuchung nachzuweisen, dass Klimt dieses Werk komplett umgearbeitet hatte, nämlich zu besagtem „Bildnis einer Frau“, das der mittlerweile weltbekannte Künstler weitaus damenhafter anlegte. Kurz nachdem die Entdeckung von Claudia Maga bestätigt wurde, war das Bild somit ein zweites Mal verschwunden.

Seltenheit

Damenbildnisse Klimts auf Leinwand gelangten, so Natter, in den letzten zehn Jahren nur selten auf den Weltmarkt. Da es sich um ein Spätwerk handelt, sei von einem Wert zwischen acht und zwölf Millionen Euro auszugehen.

„Das Gemälde ist ein Beleg, dass Klimt vollendete Werke auch grundlegend überarbeitete.“

Tobias G. Natter, Kunsthistoriker