Der Künstler als Realist und Visionär

Kultur / 13.12.2019 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gemälde von Mihael Milunovic befinden sich beispielsweise auch im Museum moderner Kunst in Wien. AG
Gemälde von Mihael Milunovic befinden sich beispielsweise auch im Museum moderner Kunst in Wien. AG

Mihael Milunovics Malerei in der Galerie Sechzig ist narrativ, bunt und tiefgründig.

FELDKIRCH Sein Großvater Milo war ein bekannter Maler, hatte zwischen den Kriegen in Paris Kontakt mit Giacometti und Archipenko und war 1937 einer der Gründer der Belgrader Kunstakademie. Seine Großmutter war eine der ersten anerkannten Künstlerinnen im damaligen Königreich Jugoslawien, seine Eltern beide Bildhauer. Gemalt und gezeichnet hat er immer schon und ist auch dabei geblieben, denn eigentlich konnte aus Mihael Milunovic gar nichts anderes werden als Künstler.

Die aktuelle Ausstellung „Überholte Zukunft“ in der Galerie Sechzig in Feldkirch holt die Arbeiten des 1967 in Belgrad geborenen, heute in Paris und in seiner serbischen Heimat lebenden und arbeitenden Malers erstmals in einer Einzelausstellung nach Vorarlberg.

Verschlüsselt

In Wien dagegen ist Milunovic kein Unbekannter mehr: Seine Gemälde befinden sich im MUMOK sowie in privaten Sammlungen, und 2017 realisierte er für den Wiener Städtischen Versicherungsverein an der Außenfassade des Ringturms im Wiener Stadtzentrum ein 4000 Quadratmeter großes, weithin sichtbares Werk. Handlicher, aber nicht minder spannend sind die Arbeiten des Belgraders in der Feldkircher Ausstellung. Der hilflose Rettungsversuch an einem künstlichen Mammut, ein Boxer zwischen einer geöffneten Mülltonne und einem umgeknickten Strommast, eine militärisch-zeremoniell anmutende Szene mit einem schlaff herunterhängenden Säbel: Mihael Milunovics Bilder sprechen an, sind figurativ, und obschon die Dinge eindeutig benennbar sind, bleibt doch immer ein ziemlich großer Rest Geheimnis. Verletzlichkeit, aber auch Brutalität, Gewalt und Unterdrückung, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Offensichtliches und Verschlüsseltes. Das Dargestellte steht für sich, Symbolisches ist dem Maler weitgehend fremd. Viele Deutungen sind möglich, die eine, richtige Bedeutung gibt es dagegen nicht.

Kein Surrealist

In den Motiven überlagern sich viele Ebenen der Wahrnehmung. Naturwissenschaften, Technik und Kunst, aber auch persönliche Erlebnisse, Filme oder Fotos inspirieren den Künstler. Malerei ist für Mihael Milunovic nicht Spaß in Farbe, obwohl er gerne mit kräftigen Farbtönen spielt, sondern eine ernsthafte Tätigkeit und ein Nachdenken über die Realität – nicht nur die unmittelbar umgebende, sondern als Visionär wagt er auch einen Blick auf das möglicherweise Kommende. Indes sieht er sich nicht als Surrealist, sondern geht eher von einer Sub-Realität aus. Denken und Schauen sind lange Prozesse, die jedem Bild vorausgehen. Dabei spielt er mit der Erwartungshaltung des Betrachters, denn, so Milunovic: „Menschen sind visuelle Wesen. Wir glauben eher die Dinge, die wir sehen, als das, was wir mit den anderen Sinnen wahrnehmen.“

Geöffnet in der Galerie Sechzig, Ardetzenbergstraße 60. Feldkirch, bis 1. Februar 2020, Do und Fr 16 bis 19, Sa 12 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung: 0664 3774650.