Die starke Kollegin von Karl Valentin

Kultur / 13.12.2019 • 17:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Liesl Karlstadt - Schwere JahreSabine Rinberger, Andreas Roll,Kunstmann,191 Seiten

Liesl Karlstadt – Schwere Jahre

Sabine Rinberger, Andreas Roll,

Kunstmann,

191 Seiten

Großartiges Buch über die Komikerin und Trösterin Liesl Karlstadt.

Biografie Der Name Liesl Karlstadt löst ein befreiendes Lächeln aus und wahrscheinlich kaum Gedanken an Lebenskrisen und Klinikaufenthalte. Tatsächlich litt die Künstlerin, die den Menschen so viel Freude bereitete, immer wieder an Depressionen.

Am 12. Dezember 1892 wurde die berühmte Komikerin als Elisabeth Wellano in eine arme Bäckersfamilie geboren. Sie war klein, zierlich, aufgeweckt und eine begeisterte Schülerin mit ausgezeichneten Noten. Sie wäre am liebsten Lehrerin geworden, doch die Familie konnte sich die Ausbildung nicht leisten. So machte die Tochter eine Lehre als Textilverkäuferin. Bei monatlich zehn Mark Lehrgeld plus freie Unterkunft. Ein Bruder lud Liesl zu einer Theateraufführung ein. Ihre Begeisterung war so eindeutig und beeindruckend, dass der Direktor des Ensembles ihr eine Rolle als Anfängerin anbot, die anzunehmen der Vater verbot.

Doch zwei Jahre später klappte es mit einem Engagement. Wieder wurde die Karlstadt als Soubrette eingestellt. Bei einem ihrer Auftritte, einem Duett mit Mizi Meier, lernte sie Karl Valentin kennen, dessen Varieténummer „Der Blödsinnskönig“ unmittelbar auf die beiden Sängerinnen folgte. Valentin erkannte sofort Karlstadts Talent als Komikerin und die beiden gründeten ihr legendäres Duo für Bühnen- wie auch Radioprogramme.

Die Zusammenarbeit erwies sich als ausgesprochen erfolgreich, wobei Karlstadt mehr als eine Assistentenrolle zu erfüllen hatte. Von der Souffleuse bis zur Organisatorin von Engagements außerhalb Münchens, nicht zuletzt auch als Krankenschwester für den extrem selbstbezogenen Hypochonder.

Aus dem Künstlerpaar wurde bald ein Liebespaar, das meistens in „eheähnlicher“ Gemeinschaft lebte, wobei der verheiratete Valentin nicht die geringste Absicht zur Scheidung hatte, im Gegenteil Seitensprüngen nicht abgeneigt war, wenn sich Gelegenheit dazu bot. Liesl litt, konnte sich aber aus der Beziehung nicht lösen, obwohl sie keineswegs in Gefahr war, ohne Liebesbeziehung oder ohne Engagements zu bleiben.

Die begabte, starke Frau war begeisterte Bergsteigerin und Skifahrerin, wobei der „große“ Künstler in ihrer Abwesenheit solche Angst um sie hatte, dass sie ihn bei der Rückkehr oft in Tränen aufgelöst vorfand und ihn natürlich(!) sofort trösten musste. Aus der Klinik schrieb sie einmal an eine Freundin: „Ich ruhe mich hier von großen Strapazen aus.“ Salg