Spannung mit vertrauten Personen

Kultur / 13.12.2019 • 17:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Destination DallasLou Berney, Hanser,284 Seiten 

Destination Dallas

Lou Berney, Hanser,

284 Seiten 

Bis heute hallen die Schüsse auf John F. Kennedy nach und noch ist kein Ende
in Sicht.

Roman, Erzählungen Der 35. US-Präsident JFK starb am 22. November 1963 in Folge eines Attentats. Der Täter, Lee Harvey Oswald, wurde zwei Tage später vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby erschossen. Das ergibt bis heute viel Stoff für Verschwörungstheoretiker, denn das Thema ist noch heiß: Allein die Wiki-Seite über den JFK-Mord in Dallas wird regelmäßig ergänzt. Wahrliche künstlerische Meisterwerke entspringen diversen Verschwörungstheorien, von James Ellroys „Ein amerikanischer Alptraum“ bis zu Oliver Stones Spielfilm „JFK – Tatort Dallas“. Lou Berney ist der Nächste im Bunde. In seinem Roman „Destination Dallas“ wirft der Autor den Blick auf das Umfeld rund um das Kennedy-Attentat: Der Ganove Frank Guidry tut seinem Freund, dem Mafia-Boss Carlos Marcello, einen Gefallen. Er stellt einen Cadillac Eldorado auf einem Parkplatz ab, ohne weitere Anweisungen zu bekommen. Eine klassische Aktion, um einen Fluchtwagen für einen Raubüberfall bereitzustellen. In nächster Nähe wird am darauffolgenden Tag JFK getötet und das Fluchtauto rührt sich nicht vom Fleck, scheinbar weil Lee Harvey Oswald geschnappt wurde. Dazu werden im Umfeld von Frank Guidry einige Kollegen ermordet, die alle etwas mit der Vorbereitung auf das Attentat zu tun gehabt haben könnten. Das macht sogar den beinharten und nie um einen Mord verlegenen Frank Guidry nervös, also ergreift er die Flucht. Um unauffällig über die Grenzen zu kommen, gabelt er sich eine Frau mit zwei Kindern auf, der er bei einer Autopanne behilflich ist. Diese haute selbst aus tristen Eheverhältnissen ab, was 1963 kein straffreies Unterfangen war. Das Ziel bleibt trotz unterschiedlicher Vorzeichen für beide eines: Nur schnell über die Grenze.

Autor Lou Berney ist ein alter Hase. Er weiß einerseits zu unterhalten, anderseits eine sehr lebensnahe Ganovengeschichte zu erzählen. Er baut die richtigen Versatzstücke ein. Und schon spürt der Leser, wie die Amerikaner auf den Roman aufspringen und ein weiteres Mal mitfiebern, ob nicht doch ein Körnchen neue Erkenntnis in der Literatur steckt. Wie schon gesagt, mit gut beobachteten Alltagsszenen aus den frühen 1960-Jahren, flüssigen Dialogen, und mit wirklich gelungenen Satzkonstruktionen liest sich das Meisterwerk wie ein Roman mit altbekannten und vertrauten Personen.

Abenteuerland Florida

Eine, die ebenfalls auf dem Sprung zum großen Erfolg ist, ist Lauren Groff. Die noch junge Amerikanerin schreibt sehr eindringliche Kurzgeschichten und belebt so einmal mehr eine Literaturgattung, die
sehr gerne immer wieder totgesagt wird. „Florida“ heißt die üppige Sammlung an unglaublichen und zugleich realistischen Storys. Pumas, Schlangen, Wirbelstürme sind immer ein Thema. Ihre Protagonisten wiegen sich in der heilen Welt, bis das jähe Unglück sie aus der Bahn wirft. Dazu schreibt die Autorin so dicht, beinahe scheint sie ihren Charakteren beim Atmen zuzuhören, wenn sie auf dem Krater ihrer Existenz eine schicksalhafte Tanzeinlage wagen.

FloridaLauren Groff,HarperCollins,348 Seiten

Florida

Lauren Groff,

HarperCollins,

348 Seiten