Reizvolle Begegnung mit dem Tier in uns

Kultur / 15.12.2019 • 21:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Arbeiten des Duos Nathalie Djurberg & Hans Berg werden in den Dialog mit Werken von Asger Jorn gebracht. museum/Zlomke
Arbeiten des Duos Nathalie Djurberg & Hans Berg werden in den Dialog mit Werken von Asger Jorn gebracht. museum/Zlomke

Zwei Zeitgenossen und ein moderner Klassiker machen die Ausstellung „Mondjäger“ zum Anziehungspunkt.

Ravensburg, Dornbirn Keine Frage, wer das Programm im Kunstraum Dornbirn verfolgt, erinnert sich noch gut an die Installation von Nathalie Djurberg & Hans Berg. Mit ihren Trickfilmen mit Protagonisten aus Knetmasse, die bei aller gelegentlichen Putzigkeit und trotz des Materials eindeutig unter die Kategorie Erwachsenenfilme einzureihen sind, sowie mit einer knallbunten Installation machten sie den riesigen Raum zur Bühne, auf der der Mensch mit seinen Trieben konfrontiert wurde. Ein wenig Horror und Crime kam dabei selbstverständlich zum Tragen, aber gerade weil die Arbeiten, dieses Darlegen des Menschlichen und des Animalischen, auch so viel feinsinnigen Witz enthalten, zählt das schwedische Künstlerduo (beide sind Jahrgang 1978) mittlerweile zu den begehrten Zeitgenossen, die heuer auch in der Frankfurter Kunsthalle Schirn präsent waren. Dabei sei erwähnt, dass Djurberg für die akribisch gebauten Szenen zuständig ist und Berg für den entsprechenden Sound.

Es funktioniert

Die Zeitgenossen mit einem Klassiker des 20. Jahrhunderts in einen Dialog zu bringen, diesen Schritt hat nun das Kunstmuseum Ravensburg unternommen. Siehe da, es funktioniert: Die Ausstellung „Mondjäger“ avanciert zu den Höhepunkten der Saison. Aspekte im Werk von Asger Jorn (1914-1973) lassen sich in dieser Kombination intensiv erfahren. Was abflachen könnte, nämlich die Betonung des Tierischen in der abstrahierten Figurensprache dieser Malerei, entpuppt sich als Möglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit den Bildthemen. Jorn, der unter anderem der Gruppe CoBrA angehörte, deren Mitglieder interessiert daran waren, gesellschaftliche Normen in der Nachkriegszeit zu hinterfragen, bewegten auch unmenschliche Verhaltensweisen. Auf zwei Stockwerke ausgebreitet, mit einigem Dokumentationsmaterial, das im Erdgeschoß angeboten wird, ist „Mondjäger“ als spannendes, kompaktes Projekt zu erfahren. Püppchen, die zum gefräßigen Krokodil mutieren, Augen in der Landschaft oder schrillbunte Mehrfüßler offenbaren dabei nicht gleich ihre Geheimnisse. Nathalie Djurberg, Hans Berg und Asger Jorn lassen durchaus Antworten offen, die Arbeiten erweisen sich jedoch als absolut überzeugend ineinander verzahnt.

Geöffnet ist die Ausstellung „Mondjäger“ im Kunstmuseum Ravensburg bis 16. Februar 2020, Di bis So, 11 bis 18 Uhr, Do bis 29 Uhr: kunstmuseum-ravensburg.de