Shakespeare am Berg ist Geschichte

Kultur / 17.12.2019 • 19:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Ensemble Shakespeare am Berg hatte heuer in Bludenz „Hamlet“ aufgeführt, wurde in der Stadt aber so gut wie kaum unterstützt.  Lerch
Das Ensemble Shakespeare am Berg hatte heuer in Bludenz „Hamlet“ aufgeführt, wurde in der Stadt aber so gut wie kaum unterstützt.  Lerch

Autor und Theaterleiter Thomas A. Welte verlässt das Oberland und baut sein Unternehmen in Hohenems neu auf.

Bludenz, Hohenems Festzuhalten, dass Kulturschaffende in Bludenz auf ein sehr hartes Pflaster stoßen, ist nicht aus der Luft gegriffen. Das jüngste Beispiel dafür liefert das Unternehmen Shakespeare am Berg, das der Vorarlberger Autor und Regisseur Thomas A. Welte (geb. 1979) mit viel persönlichem Einsatz aufgebaut hatte, um im Oberland so unterhaltsames wie anspruchsvolles Sommertheater anbieten zu können. „Der Rest ist Schweigen“ heißt es im letzten Aufzug von Shakespeares berühmter Tragödie „Hamlet“. Sie bestimmte heuer in adaptierter Form das Programm. Über seinen Auszug aus der Stadt will Thomas A. Welte selbst nicht viel Wind machen, das Ende des Freiluftspektakels wirft jedoch ein bezeichnendes Licht auf die Vorarlberger Kulturszene.

Aus im Oberland

Der Autor und Regisseur, den man von Stücken wie „Verhör“ oder „Tanz mit dem Tod“ kennt, die im Bregenzer Theater Kosmos uraufgeführt wurden und für die er Auszeichnungen bekam, wollte Bludenz gar nicht von sich aus verlassen. Aber letztlich blieb ihm, wie er den VN erzählt, gar keine andere Möglichkeit. In den ersten Jahren konnte er mit einer kleinen Gruppe von profilierten Schauspielern die Arena auf dem Muttersberg bespielen und ist aufgrund der Qualität der Produktionen auch gleich auf Zuspruch beim Publikum gestoßen. Wegen der schwierigen Witterungsbedingungen zog man schließlich talwärts und landete heuer ganz in der Stadt. Nachdem es vonseiten der Verantwortlichen bei der Stadt Bludenz aber keinerlei Signale gab, die dortige Infrastruktur zu verbessern, und die finanzielle Unterstützung gerade einmal 15.000 Euro beträgt, war Thomas A. Welte gezwungen, den Schlussstrich zu ziehen.

Fortsetzung im Unterland

Shakespeare am Berg ist nun Geschichte, denn den Namen seines Unternehmens will Welte ad acta legen, Ideen für eine Fortsetzung sind jedoch vorhanden und diesbezüglich stieß er in Hohenems nicht nur auf Gesprächsbereitschaft, er wurde, wie er sagt, geradezu „mit offenen Armen“ aufgenommen: „Hier ist eine positive Energie zu spüren.“ Derzeit werden Konzepte für ein Theaterangebot ausgearbeitet, das ein möglichst breites Publikum anspricht. Der Fokus richtet sich dabei etwa auf eine Zeltbühne auf dem Schlossplatz oder auf bestehende Einrichtungen, die zu kleinen Bühnen ausgebaut werden können. Favorisiert wird keineswegs das Spektakel, bei Thomas A. Welte steht das Sprechtheater im eigenen Sinn des Wortes im Mittelpunkt. Er richtet sein Augenmerk nun auch weniger auf Klassiker als auf neue Stücke, gerne auch auf jene, die Autorinnen und Autoren aus der Region verfassen.

Wenn er es schafft, einen erfolgreichen Start hinzulegen, ist in naher Zukunft eine Zusammenarbeit mit dem gerade erst eröffneten Literaturhaus in Hohenems geplant.

„Ich wollte aus Bludenz nicht weg, aber ich muss. In Hohenems sind gute Gesprächspartner.“