Zwei ganz und gar nicht alte Klassiker

Kultur / 18.12.2019 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Uwe Pohl und Dirk Salz in der Galerie am Lindenplatz. AG

Uwe Pohl und Dirk Salz in der Galerie am Lindenplatz. AG

Uli Pohl und Dirk Salz bescheren in der Galerie am Lindenplatz besondere Seh-Erlebnisse.

vaduz Als Uli Pohl 1965, gerade erst 30-jährig, mit Werken in der Ausstellung „The Responsive Eye“ im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) vertreten war, war Dirk Salz genau einmal drei Jahre alt. Jetzt stellen die beiden deutschen Künstler gemeinsam in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz aus. Und  sie können gut miteinander, der ZERO-Künstler Pohl und Salz, ein Vertrter der Konkreten Kunst, wie die Ausstellung „Tendenzen zur Klarheit“ beweist, denn Reflexion und Wahrnehmung beschäftigen beide gleichermaßen.

Transparenz

Bereits 1958 schuf Uli Pohl, Jahrgang 1935, aus kompakten Glasblöcken erste transparente Objekte und lichtplastische Skulpturen. Sein Interesse für Lichtwirkungen brachte ihn früh in Kontakt mit der in Düsseldorf gegründeten Künstlergruppe ZERO, die ästhetisch und ideologisch „bei Null“ beginnen wollte und mit Klang, Licht und Bewegung experimentierte.

Ebenso war Pohl auch Mitglied der internationalen Gruppe „Nouvelle Tendance“. Neben der Transparenz des Materials steht für den Künstler die Nachvollziehbarkeit der Konzeption im Vordergrund, wenn er „Klarheit, Kontrollierbarkeit und Ordnung“ als wesentliche Kriterien seines Produzierens nennt. Im Gegenzug fordern die mit höchster Präzision zur absoluten Perfektion geschliffenen, geglätteten und fein polierten Werke, die jegliche Spuren händischer Bearbeitung verleugnen, einen aktiven, wachen, suchenden und denkenden Betrachter. Während die Skulpturen, zumeist Unikate, aufgrund ihrer Materialität einerseits kaum wahrgenommen werden und sich total in den Raum integrieren, macht sich andererseits die Umgebung durch Brechungen, Lichtreflexe und Spiegelungen, aber auch durch Personen und Farben, jeden Moment auf wieder neue Art breit in den Werken.

Komposition und Irritation

Hochglänzende, verführerische Oberflächen und Seh-Erlebnisse, die eng an die (Un)Zuverlässigkeit der menschlichen Wahrnehmung gekoppelt sind: Auch bei Dirk Salz, dessen Name neu, aber perfekt passend, im Programm der Galerie auftaucht, ist der Umraum unabdingbarer Bestandteil des Kunstwerks. Als Betrachter ist man angesichts der spiegelnden Bildkörper stets auf der Suche nach dem eigentlichen Bild und findet sich, ständig den Standort wechselnd, der Frage gegenüber: Gibt es dieses eine Bild überhaupt? In den Arbeiten des 1962 geborenen Malers treffen Komposition und Irritation, Steuerbares und das Zufällige des Moments, Oberflächenreiz und Tiefe aufeinander. Resin, ein gerne verwendetes pigmentiertes Kunstharz, ist das bevorzugte Material von Dirk Salz, das auf einen waagrecht liegenden, massiven Bildträger aus Holz gegossen wird.

Der Herstellungsprozess mit Phasen des Trocknens, mit Abschleifens und erneuten Farbauftrags nimmt unendlich viel Zeit in Anspruch. Die bis zu zwanzig Kunstharzschichten sind an den Bildseiten ablesbar, wo die Rinnsale im Erstarren Tropfen bilden und Farbe fast physisch spürbar wird. Das hat seine Richtigkeit, denn es geht Dirk Salz vielmehr um das Ausloten von Material und Farbe und das Aufzeigen der Bedingungen der Bildproduktion, als um tiefere Wahrheiten oder im Bild verborgene Inhalte.

Die Ausstellung mit Arbeiten von Uli Pohl und Dirk Salz ist in der Galerie am Lindenplatz, Städtle 20, Vaduz, bis 18. Jänner geöffnet, Di bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 13 Uhr.