Jede Menge Antworten

Kultur / 19.12.2019 • 19:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mindestens genau so persönlich wie die Fotos sind die Antworten auf Fragen zur Architektur. Im Bild sind Marte.Marte. lukas hämmerle
Mindestens genau so persönlich wie die Fotos sind die Antworten auf Fragen zur Architektur. Im Bild sind Marte.Marte. lukas hämmerle

Fragen zur Architektur werfen einen Blick auf die Architekten hinter den Bauwerken.

Dornbirn „Die Vermittlung zwischen den Architekten, als Zunft, die unseren Lebensraum gestaltet, und der Öffentlichkeit ist eine Notwendigkeit, denn Architektur tangiert jeden Menschen“, ist Martina Pfeifer Steiner überzeugt. Die 1961 in Kärnten geborene, in Frastanz lebende Architekturpublizistin, Kuratorin und Journalistin sagt das nicht nur so daher, sondern muss es wissen. Schließlich war sie während acht Jahren Architekturvermittlerin am Vorarlberger Architektur Institut und hat für das vai auch verschiedene andere Formate, wie die Veranstaltungsreihe „Architektur vor Ort“, betreut oder Bauwerksdokumentationen erstellt. Seit 2017 ist sie verstärkt für nextroom.at tätig, die 1996 von Jürg Meister gegründete Online-Plattform für zeitgenössische Architektur.

Spezielle Bücher

Besondere, etwas andere Buchprojekte respektive ein eigenwilliger Zugang zum Thema sind schon fast zum Markenzeichen von Martina Pfeifer Steiner geworden. Wie die zweibändige Publikation „rastlos“ (2018) zu Leben und Werk des vergessenen Montafoner Architekten Werner Pfeifer, eine atmosphärisch-rasante Spurensuche, die in einem Lesebuch gipfelt, das, angepasst an moderne Lesegewohnheiten, parallel und stereo zum dokumentarischen Teil studiert werden kann. Außergewöhnlich ist auch das jüngste, diesen Herbst erschienene Buch, auch wenn der Titel unspektakulär, ja nüchtern klingt und sich eher für grafisches Geplänkel und Zahlenspielerei anbietet. „33 Interviews zur Architektur“ war zunächst als Interviewreihe im Rahmen von „nextroom fragt“ angelegt – als ein die Architekturdatenbank im Zwei-Wochen-Intervall erweiterndes Format, in dem Architektinnen und Architekten in fünf jeweils gleichbleibenden Fragen zu Arbeitsalltag und -bedingungen zu Wort kommen. Die Auswahl der vornehmlich österreichischen Architekturbüros erfolgte während des über zweieinhalb Jahre laufenden Projekts absolut subjektiv, nach besonderen Projekten, Anlässen oder Konstellationen. Unter den 33 Auserwählten sind mit Georg Bechter, Cukrowicz Nachbaur, Dietrich/Untertrifaller, Hein Architekten, Oskar Leo Kaufmann und Marte.Marte gleich sechs Vorarlberger Büros. Prominentester Schweizer Vertreter in dem Band ist Peter Zumthor, der Anteil der Frauen beträgt dem Berufsstand entsprechend nicht ganz ein Drittel.

Menschen statt Bauwerke

Wer nun die grafisch sehr ansprechend aufgemachte Publikation aufschlägt, wird bereits beim Schnelldurchlauf erstaunt feststellen, dass das Buch gänzlich ohne Abbildungen von Architektur auskommt. Vielmehr bestechen auf visueller Ebene die authentisch wirkenden Architekten-Porträts von Fotograf Lukas Hämmerle, die gleich klarstellen: Es geht hier um die Menschen hinter den Bauwerken, um ihr Denken und ihre Haltung. Mindestens genau so persönlich wie die Fotos sind die Antworten auf die fünf gleichbleibenden Fragen.

Die Fragestellungen sind so allgemein, dass sie ungemein viel Raum lassen. Bereits die Frage nach den Bürostrukturen offenbart Erkenntnisse, wenn Oskar Leo Kaufmann sagt: „Das ist ziemlich einfach: Ich arbeite von morgens bis abends und mache jeden Strich (…) selbst.“ Als Inspirationsquelle dient häufig die Natur, aber auch Kunst und die unter „Benzinbrüdern“ unternommenen Motorradausflüge werden genannt. Visionen werden durch Normen und Reglements, aber auch durch die Schwerkraft ausgehebelt. Und die Frage nach einem hervorhebenswerten Projekt wird fast unisono mit „das aktuelle“ oder „alle“ beantwortet. Spannend wird es bei Frage fünf, „Worüber sollten ArchitektInnen reden, einen Diskurs anzetteln?“ Da kommt die Öffentlichkeit ins Spiel, wenn es um Themen wie Schönheit, Partizipation, Angemessenheit, um Stadt, Zersiedelung oder leistbares Wohnen geht. Diskussionsstoff und Meinungen sind genug da, das macht dieses Buch als selektierte Bestandsaufnahme einer Zunft deutlich.

Lesetipp: „33 Interviews zur Architektur“, herausgegeben von nextroom, Martina Steiner Pfeifer, Verlag Müry Salzmann, zahlreiche Abbildungen.