Schönschreibkunst als Zeichen von Frömmigkeit und Wohlstand

Kultur / 21.12.2019 • 08:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dieses kostbare, kleinformatige, aber umfangreiche Gebetbüchlein wurde Ende des 18. Jahrhunderts im Bregenzerwald hergestellt. <span class="copyright">Vorarlberger Privatsammlung, Foto: jana Sabo </span>
Dieses kostbare, kleinformatige, aber umfangreiche Gebetbüchlein wurde Ende des 18. Jahrhunderts im Bregenzerwald hergestellt. Vorarlberger Privatsammlung, Foto: jana Sabo

Für Lehrer bedeuteten sie ein Zubrot, für Besitzer waren Gebetbücher auch etwas zum Herzeigen.

Schwarzach Die Kleiderordnung war streng in früheren Jahrhunderten, das war auch im Bregenzerwald so und vor allem beim sonntäglichen Kirchgang. Als Zeichen der Frömmigkeit galten sie weithin, aber wohl auch als kleiner Aufputz waren dabei wertvolle Gebetbüchlein gestattet, die man in der Hand trug. Im späten 18. Jahrhundert, das heißt im Barock oder Rokoko, erreichten sie eine besondere Blüte. Von jenen, die in der Landesbibliothek in Bregenz aufbewahrt werden, stammen etwa zwei Drittel aus dem Bregenzerwald.

Ein besonders schönes Dokument, das sich in einer Vorarlberger Privatsammlung befindet, ist das hier abgebildete Exponat aus dem Jahr 1797. Die Jahreszahl ist auf einem schwarzen Ledereinband in Gold eingeprägt, auf der Rückseite sieht man die Jahreszahl 1798. „Geschrieben in Großdorf, bei Egg, Bregenzerwald“ steht auf dem Titelblatt. Das Büchlein ist recht umfangreich, hat insgesamt 239 Seiten. Solche handgeschriebenen, meist katholischen Gebetbücher waren, so der Kunsthistoriker Tobias G. Natter, im gesamten Alpenraum in der Barockzeit üblich. Einen Höhepunkt erlebten sie im Bregenzerwald. Darin enthalten waren Gebete für kirchliche Zwecke und für die private Andacht. Das Format des vorliegenden Büchleins zeugt davon, dass viele Elemente der Hochkultur tief in das Gestaltungsvermögen der ländlichen Bevölkerung eingesickert sind.

Prächtige Farben

Auffallend bei diesem Büchlein ist die Farbgebung mit viel Rosa, Rot, Gelb und leuchtendem Blau. Motive der Kirchen- und Altargestaltung wie Engelsköpfe und Girlanden wurden dabei in die Miniaturform übertragen. Bei diesem wunderbar erhaltenen Exemplar kann davon ausgegangen werden, dass es die Eigentümerin mit den Initialen B. F. nie wirklich als Gebetbuch in Gebrauch hatte. Es wurde wohl eher, wie erwähnt, als Schmuck bzw. als kleiner Repräsentationsgegenstand oder Zeichen des Wohlstands verwendet bzw. bei entsprechenden Anlässen mit sich getragen.

Von Lehrern geschaffen

Gesichert ist, dass solche Büchlein in mühevoller Arbeit von Lehrern geschaffen wurden. Diese waren zwar gut ausgebildet, wurden aber in den Dorfschulen schlecht bezahlt. Solche Aufträge bedeuteten ein willkommenes Zubrot. Zwei namentlich bekannte Dorfschullehrer, die in der Lage waren, derlei Kostbarkeiten herzustellen, waren etwa Thomas von der Thannen und Johann Konrad Waldner. VN-cd