Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Sternstunde im Landtag

Kultur / 21.12.2019 • 10:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es war tatsächlich eine Sternstunde, die man im Vorarlberger Landtag am Mittwoch erleben konnte. Erstmals begann ein Mandatar seine Rede mit Gesang, erstmals waren die Beiträge aller Abgeordneten auf bemerkenswertem Niveau, erstmals trafen sich im Anschluss alle Kultursprecherinnen und Kultursprecher der Parteien zum Gruppenfoto und zu einem kurzen Umtrunk. Nachdem ich an diesem Ort aufgrund inferiorer Debatten durchaus schon schmerzhafte Stunden erlebt hatte, war das für mich eine völlig neue Erfahrung, die mir nun auch Hoffnung auf die Zukunft gibt. Nach der vergangenen Wahl stehen alle Fraktionen mit neuen Sprecherinnen oder Sprechern zur Kultur da, denen das Thema offensichtlich ein Anliegen ist.

„Nach der vergangenen Wahl stehen alle Fraktionen mit neuen Sprecherinnen oder Sprechern zur Kultur da, denen das Thema offensichtlich ein Anliegen ist.“

Herausragend war dabei Bernie Weber von den Grünen. Nicht nur, weil er seine Rede mit Mundharmonika und Gesang (mit dem Bluesstandard „Mannish Boy“ aus dem Jahr 1955) eröffnete, sondern weil er sich nicht so sehr mit dem finanziellen Teil, also mit dem Budget, das zu beschließen war, sondern mit grundsätzlichen Fragen zur Kultur befasste. Es tat gut, das einmal von einem Abgeordneten zu hören, auch wenn Weber einschränkend bemerkte, dass er erstmals „mit einem ungeschützten und waghalsigen Seemannsköpfler in das weite Meer des Vorarlberger Kunst- und Kulturangebotes eingetaucht“ sei. Ganz so unbeleckt ist Bernie Weber aber natürlich nicht, immerhin steht er seit den Achtzigerahren auf der Bühne. Früher als Frontmann von „Twist of Fate“ bei mehr als 1000 Konzerten, dabei mit Größen wie Joe Cocker oder Bob Dylan auf der Bühne. Seit einiger Zeit mit der Gruppe „Schellinski“, und gerade jetzt, um Weihnachten, mit der Ländle-All-Star-Band, gemeinsam etwa mit Michael Köhlmeier, für die Krebshilfe. So ist mit dem Altacher Bernie Weber erstmals ein Rocker im Landtag. Sein musikalischer Auftritt war beeindruckend, mehr aber noch seine Auseinandersetzung mit Fragen von Kunst und Kultur in der Gesellschaft, über die seit langem einmal wirklich im Landtag zu sprechen wäre. Vielleicht gelingt es jetzt.

Ungerechterweise habe ich die anderen außer Acht gelassen. Denn auch Manuela Auer von den Sozialdemokraten, Christoph Thoma (ÖVP), Hubert Kinz (FPÖ) und Sabine Scheffknecht (Neos) haben wesentliche Beiträge gebracht und damit den Eindruck einer seit Langem erstmals gelungenen Kulturdebatte im Landtag gefestigt. Die neuen Kultursprecherinnen und Kultursprecher lassen also hoffen, dass die Debatten im Landtag in Zukunft auf ein neues Niveau gehoben werden.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.