„Die Tuba ist ein sanfter Riese“

Kultur / 22.12.2019 • 19:29 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Der Klang dieses Instruments hat Harald Schele schon als Kind fasziniert.

Lochau Harald Schele, geb. 1972 in Leutkirch im Allgäu, begann erst mit vierzehn mit der Tuba und wurde, wie vorher schon als Trompeter, mehrfach Preisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert. Er spielte u. a. in der Stadtkapelle Wangen und beim Sinfonischen Jugend-Blasorchester Baden-Württemberg. 1997 schloss er sein Instrumentalpädagogikstudium am Landeskonservatorium in Feldkirch mit Auszeichnung ab, 2002 machte er die Abschlussprüfung im Konzertfach Tuba. Bei Gene Pokorny, dem Tubisten des Chicago Symphony Orchestra, absolvierte er einen Meisterkurs. Harald Schele ist seit 25 Jahren Solo-Tubist beim SOV und seit 2013 beim Sinfonieorchester Liechtenstein und spielt in verschiedenen Formationen, wie dem Sonus-Brass-Ensemble, mit dem er in ganz Europa, Asien und den USA konzertierte, bei der Jazzband Mixed Horns und bei den D’Glorious Brasstards. Außerdem substituiert er bei der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Seit 2004 ist er Lehrer für tiefes Blech an der Musikschule Tettnang und seit 2018 Kapellmeister des Musikvereins Lochau, wo er mit seiner Frau, der Geigerin Susanne Mattle, und seinen zwei Kindern lebt.

 

Wie sind Sie zur Tuba gekommen?

Schele Mit fünf Jahren habe ich mit Blockflöte begonnen. Mein erstes Wunschinstrument war die Querflöte, doch der Lehrer hat mich zu meinem Glück abgewiesen. Mein Vater hat mich dann einfach zur Trompete angemeldet, bei Alfred Gross in Wangen, der ein sehr erfolgreicher Trompetenlehrer war. Ich habe Trompete im Brass-Quintett gespielt und auch im Jugendblas­orchester, da gab es einen Wald von guten Trompetern, aber auch sehr gute Tubisten. Die haben mich mit ihrem Klang fasziniert, mit den tiefen Frequenzen. Wenn sie gespielt haben, hat der Boden vibriert. Ich finde, die Tuba ist ein sanfter Riese. Meine Mutter, die mich von Kressbronn nach Wangen in die Musikschule chauffiert hat, hatte einen knallroten Cinquecento und musste für die Tuba extra ein größeres Auto anschaffen.

 

Welche Rolle spielt die Tuba im Orchester?

Schele Als Bassinstrument ist die Tuba die Ergänzung nach unten für den Blechsatz und Klangfarbenverstärkung für die Kontrabässe, spielt aber auch immer wieder solistisch. Die Tuba gibt es erst seit 1835. Bruckner und Wagner haben dann dieses Instrument so richtig eingesetzt, auch Richard Strauss. Der hat als einer der wenigen auch zwei Tuben vorgeschrieben, z. B. in der Alpensinfonie. Die würde ich gerne mit dem Symphonieorchester Vorarlberg spielen, zumal die Partitur 1945 kurz vor Kriegsende nach Dornbirn in Sicherheit gebracht wurde.

 

Ist Tubaspielen Hochleistungssport?

Schele Es ist körperlich anstrengend. Die anstrengendste Symphonie bis jetzt war die Sechste von Mahler. Ich muss jeden Tag üben, um in Form zu bleiben.

 

Als Tubist spielen Sie meist ganz allein, Sie sind der König der tiefen Töne im Blech. Wie stark ist da der Druck?

Schele Wenn ich an einer lauten Stelle versage, hört das jeder. Die Tuba ist aber oft mit der Bassposaune gedoppelt, die beiden bilden ein Team, oft in Oktaven notiert, z. B. bei Chorälen. Die Bassposaune gibt den Knack, die Tuba das Volumen.

 

Sie sitzen rechts ganz hinten. Wie klingt das Orchester von dort aus?

Schele Grandios. Ich habe den besten Platz im Orchester.

 

Tuben haben öfters Pause. Was machen Sie, wenn Sie nicht spielen?

Schele Zählen und zuhören. Und genießen. Ich kann auch gut zuschauen, durch den erhöhten Platz.

 

Welches sind Ihre Lieblingswerke für Tuba im Orchester?

Schele Die Bruckner-Symphonien, auch Mahler. Ich freue mich sehr auf die Neunte Mahler. Aber auch Prokofiew. Da durfte ich vor vielen Jahren die Fünfte mit Kirill Petrenko spielen. Auch „Romeo und Julia“ ist sehr schön, das hat Leo McFall das erste Mal bei uns dirigiert.

 

Sie sind nicht nur Solotubist in zwei Symphonieorchestern, sondern spielen auch Jazz und bewegen sich mit dem Blechquintett Sonus Brass zwischen Barock und Moderne. Was reizt Sie daran?

Schele Was jeden an der Kammermusik reizt: Man wechselt extrem schnell zwischen Solospielen und Bassbegleiten. Man muss immer superpräsent sein. Insbesondere im Brass-Quintett ist die Tuba-Stimme in der gleichen Schwierigkeitsliga wie ein Solokonzert.

 

Als Kapellmeister des Musikvereins Lochau wirken sie sozusagen an der musikalischen Basis. Was ist Ihnen da wichtig?

Schele Dass sich die Musiker mit mir gemeinsam entwickeln, um schöne Konzerte zu spielen und in so einem Dorf die Gemeinschaft mitzutragen. Wir brauchen dringend einen Saal.

 

Was ist für Sie das Besondere am SOV?

Schele Meine Frau ist die wohl größte Besonderheit in dem Orchester. Und es spielt ein großer Teil von meinen Freunden mit. Da Tubisten eher gesellig sind und ich meine beste Lebensbegleiterin dort kennengelernt habe und wir dort unserer gemeinsamen Liebe, dem Musizieren, nachgehen können, ist meine Freude am Orchester eigentlich logisch. Als Tubist habe ich auch die Möglichkeit, dort die ganzen großen Werke zu spielen, das gibt es im süddeutschen Raum sonst kaum.

Winterzauber mit Goerge Nussbaumer, 23. Dezember, 20.15 Uhr, Tschagguns, Wallfahrtskirche; „Hänsel & Gretel“, 19. Jänner, 16 Uhr, Kloster Bezau