„Eltern haben mehr Macht, als sie glauben“

Kultur / 24.12.2019 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der Landesjugendchor Voices hat heuer beim internationalen Wettbewerb in Dubrovnik mehrere Preise gewonnen. In der Weihnachtszeit finden zwei große Konzerte statt. <span class="copyright">Stiplovsek </span>
Der Landesjugendchor Voices hat heuer beim internationalen Wettbewerb in Dubrovnik mehrere Preise gewonnen. In der Weihnachtszeit finden zwei große Konzerte statt. Stiplovsek

Oskar Egle, Leiter des Landesjugendchors Voices, weiß, wie wichtig das Singen in- und außerhalb der Schule ist.

Christa Dietrich

Dornbirn Ein Weihnachtsfest ohne zu musizieren und zu singen ist für Oskar Egle undenkbar. „Wir holen die Instrumente hervor, singen und spielen gemeinsam, das ist ein besonderes Highlight des Abends. Es geht uns dabei nicht um die Qualität des Muszierens, sondern um die Wichtigkeit. Die Kinder kommen gerne und machen mit“, erzählt er. Gut, bei Oskar Egle (59), Chorleiter, Pädagoge und Vorsitzender des Musikausschusses beim Chorverband Vorarlberg, erübrigt sich die Frage, ob am Weihnachtsabend auch aktiv gesungen wird. Was früher einfach dazu gehörte, ist mittlerweile selten geworden. Man kann sich ja berieseln lassen. Das gemeinsame Singen ist dabei nur ein Aspekt, der verloren geht, schwerwiegender oder eine Folge der Vernachlässigung der Ganzheitlichkeit ist, dass die Kreativfächer in der Schule an den Rand gedrängt oder mitunter gänzlich abgeschafft werden.

Gegensteuern wäre wichtig

Als Leiter von vier sehr erfolgreichen Vorarlberger Chören mit Mitgliedern aus allen Altersgruppen, nämlich dem Schulchor Pizzicanto, dem Landesjugendchor Voices, dem Kammerchor Vocale Neuburg und dem Männerchor Götzis, weiß Egle genau, wovon er spricht. Die Nachwuchsarbeit wird eben auch dadurch erschwert, dass in den Schulen zu wenig gesungen wird. Ein Gegensteuern wäre wichtig, doch vonseiten der Politik rühre sich diesbezüglich überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil. Die Schulautonomie sei im Grunde genommen zwar eine sehr gute Sache, doch auch diese Autonomie werde oft auf Kosten des Musikunterrichts genutzt. Wenn beispielsweise eine Schule kaum noch Musiklehrer hat, fahre man die Stunden einfach entsprechend nach unten. „Auf Dauer wird das ein Problem, nachdem viele Fächer unantastbar geworden sind, wird bei einer notwendigen Reduzierung der Wochenstundenzahl auf Kreativfächer verzichtet.“ Nachdem die Politik, wie erwähnt, nichts dagegen unternimmt, wären die Eltern am Ruder. „Eltern haben mehr Macht, als sie glauben“, erklärt Egle. „Eltern stellen schließlich einen großen Teil der Wählerschaft, wenn sich diese konkret wehren, dann wird sich die Politik doch bemühen, auf ihre Wünsche einzugehen.“

„Natürlich singen und musizieren wir in unserer Familie zu Weihnachten gemeinsam.“

Oskar Egle, Chorleiter, Pädagoge

Eine Chance sieht Oskar Egle auch in der momentanen Neuaufstellung der Regierung. Wenn es zur sich abzeichnenden Koalition von Türkis (ÖVP) und Grün kommt, dann übernehmen, so Egle, die Grünen wahrscheinlich das Bildungsressort. Ihnen mutet der Pädagoge mehr Bewusstsein für den hohen Wert der Kreativfächer zu.

Große Erfolge

Zu den besonderen Ereignissen im zu Ende gehenden Jahr zählte die Teilnahme seines Landesjugendchors Voices am internationalen Adriatic-Pearl-Wettbewerb in Dubrovnik. Dort holten sich die jungen Vorarlberger Sängerinnen und Sänger so gut wie alles, was zu holen war. Voices wurde zum besten Festivalchor gekürt und ersang sich in zwei Kategorien den jeweils besten Platz. „Wettbewerbe sind ein gutes Mittel, um mit dem Chor weiterzukommen“, erklärt Egle seine Strategie. Dass die Mitglieder in der Lage sein müssen, im entscheidenden Moment Bestleistungen zu erbringen, sporne sie entsprechend an. Eine Nachwirkung von Dubrovnik zeichne sich bereits ab. Das Interesse an Auftritten von Voices im Land ist enorm gestiegen. Auch im Chorverband selbst sei man hocherfreut und erweise sich dem Auswahlchor als entsprechend verlässliche Stütze.

Voices am Gardasee

Der Motivationsschub ist unter den Voices-Mitgliedern ebenso spürbar, bei den 16- bis 28-jährigen Chormitgliedern heißt es mittlerweile bereits, nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb, denn man probt nicht nur für die zwei Auftritte kurz nach Weihnachten in Dornbirn, vor Augen hat man bereits die Fahrt nach Riva del Garda. Dort findet in der Osterwoche ein weiterer internationaler Leistungsvergleich statt.

Das Publikum überraschen

Auch wenn die Mädchen weitaus motivierter sind und die Burschen nur ein Drittel der Stimmen stellen, will Egle über den Voices-Nachwuchs nicht klagen. Stücke, die ihm die Weiterentwicklung dieses Chors garantieren, und mit denen er das Publikum überraschen kann, bestimmen die Auswahl. Entsprechende Literatur bzw. Notenmaterial gäbe es genug, nur ab und zu wird ein Werk für diesen Chor adaptiert. Das gilt auch für das Programm, das er für die kommenden Konzerte einstudiert. Weihnachtliches ist dabei, aber es wäre nicht der Chor Voices, wenn er nicht auch viel Poppiges und Funkiges drauf hätte.

Die Konzerte mit dem Landesjugendchor Voices finden am 28. Dezember, 20 Uhr, und am 29. Dezember, 18 Uhr, im Kulturhaus in Dornbirn statt.