Attila Buri als neuer musikalischer Leiter beim Jazz-X-Mas präsentiert

Kultur / 26.12.2019 • 15:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der aus Ungarn stammende Attila Buri (53) legte mit seiner hoch motivierten Mannschaft auf Anhieb einen tollen, vom Stammpublikum begeistert gefeierten Einstand hin. <span class="copyright">Grass</span>
Der aus Ungarn stammende Attila Buri (53) legte mit seiner hoch motivierten Mannschaft auf Anhieb einen tollen, vom Stammpublikum begeistert gefeierten Einstand hin. Grass

Vollblutmusiker Attila Buri brachte den Big Band Club Dornbirn beim Jazz-X-Mas auf Touren.

GÖTZIS Ein Jahr nach seinem spektakulären Jubiläumskonzert zum 50. Geburtstag mit Stargast George Nussbaumer trumpfte der Big Band Club Dornbirn (BBCD) als mit Abstand älteste Formation dieser Art im Land ordentlich auf. So wurde beim bereits 20. Jazz-X-Mas in der ausverkauften Kulturbühne Ambach ein neuer musikalischer Leiter präsentiert. Der aus Ungarn stammende, im Land bestens vernetzte Attila Buri (53) ist zwar in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil seines erfolgreichen Vorgängers, legte jedoch mit seiner hoch motivierten Mannschaft auf Anhieb einen tollen, vom Stammpublikum begeistert gefeierten Einstand hin.

Nach Peter Schweizer, der die Band 1968 gründete und 20 Jahre bis zu seinem Tod leitete, folgten am Dirigentenpult für weitere zwei Jahrzehnte Paul Böckle, für sieben Jahre Josef Eberle und ab 2015 für vier Jahre der Münchner Thomas Gertner, der vor allem durch sein vielseitiges Entertainment beeindruckte. Attila Buri ist also der fünfte Dirigent in der Geschichte, ein zurückhaltender Künstler, der sich mit seinen Moderationen vorsichtig ans Publikum herantastet. In der Sache selbst aber erweist er sich sofort als ein mit allen Wassern gewaschener Vollblutmusiker, der mit Unterstützung des jungen Vereinsobmanns Eugen Rigger und von Finanzchef-Urgestein Gerd Hämmerle den BBCD seit Herbst perfekt im Griff hat.

Hochqualifizierte Spezialisten

Nach diesem gelungenen Abend will ihm auch niemand recht glauben, dass er bisher zwar Blaskapellen in Götzis und Vaduz, aber noch nie eine Big Band geleitet hat, wie Buri im Gespräch mit den VN beteuert. Allerdings war es für ihn Voraussetzung, dass er als musikalischer Leiter auch seine Dominanz als Pianist einbringen kann, und so springt er nun als Wirbelwind am Keyboard immer wieder auf, reißt das Publikum zu spontaner Zustimmung für die Solisten mit und gibt der Band dort Einsätze, wo es notwendig scheint. Das ist nicht oft der Fall, denn dieser 17-köpfige Haufen hochqualifizierter Spezialisten und Individualisten aus der Region ist heute längst ein kompakt funktionierendes Gefüge, dessen Spiel hier zudem noch von der gegenseitigen Sympathie mit dem neuen Chef untermauert wird. Dieser wird mit seinen Klaviersoli zum unbestrittenen King. Sie reichen wie etwa in „Latin Import“ über den gepflegten Oscar-Peterson-Stil weit hinaus und verraten den auch klassisch ausgebildeten Pianisten.

Der Big Band Club Dornbirn trumpfte beim 20. Jazz-X-Mas in der ausverkauften Kulturbühne Ambach ordentlich auf. <span class="copyright">Christian Grass </span>
Der Big Band Club Dornbirn trumpfte beim 20. Jazz-X-Mas in der ausverkauften Kulturbühne Ambach ordentlich auf. Christian Grass

Das ist nun überhaupt etwas, was Attila Buri in seinem Debütprogramm dem Publikum vermitteln will: eine bisher ungeahnte stilistische Breite des Repertoires mit überraschend ausgefuchsten Klangmischungen von Swing bis Pop, Rock und Latin zum Beweis, dass auch ein so charakteristischer Big Band Sound wie dieser durchaus variabel ist und in der perfekten Abmischung von Martin Bröll auch im Saal entsprechende Wirkung erreicht. Am Beginn steht eine stille Verbeugung vor Band-Gründer Peter Schweizer, der heuer 80 geworden wäre, in einem von Bassist Stephan Reinthaler gefertigten Medley mit dessen aus heutiger Sicht als Dokument der 70er Jahre liebenswert antiquiert klingenden Swing-Nummern eines begeisterten Eisenbahn-Freaks wie „Nenzing retour“ oder „Transalpin“. Der Bogen spannt sich über fetzige Nummern aus dem Repertoire von Count Basie wie „Switch in Time“ oder „Magic Flea“ mit der kompletten Saxofon-Section und die Soft-Ballade „Sunflower Chant“ des unvergessenen Peter Herbolzheimer mit Tone Meusburger am butterweichen Flügelhorn bis zu „Liberty City“ mit dem funkigen Bass von Stephan Reinthaler oder Michael Jacksons „Thriller“ mit Markus Holzmaier, Gitarre. Dazu zieht sich, aufgefettet mit fantastischen Soli aus Holz und Blech, eine Reihe von Christmas-Songs durch den Abend, in atemberaubenden Arrangements so verfremdet, dass oft etwas Neues daraus entsteht wie „Little Drummer Boy“ mit Langzeit-Schlagzeuger Adi Baumgartner, das verrockte „Deck the Halls“ oder „Stille Nacht“, das den Abend raffiniert abrundet. Fritz Jurmann

Nächster Auftritt des Big Band Club Dornbirn: 22. Februar 2020, 20 Uhr, Kammgarn Hard.