Als die Katze Wopsie nach New York kam

Kultur / 27.12.2019 • 17:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Seit 100 Jahren wird der Atlantik auf dem Luftweg überquert, und das ist aus gutem Grund am Bodensee ein Thema.

Friedrichshafen Luftschiffe sind durchaus noch präsent. Allerdings dienen sie weniger den Reisenden als der Wissenschaft und, wie in der warmen Jahreszeit nahezu täglich zu bemerken, dem gemütlichen Erkunden der Landschaft rund um den Bodensee. Dass eben dort, nämlich am Bodensee, einst Pionierleistungen erbracht wurden, ist bekannt, im Zeppelin Museum in Friedrichshafen gibt es dennoch immer wieder Interessantes zu entdecken.

„Vernetzung der Welt“ lautet der Titel der jüngst eröffneten Sonderausstellung, in der das Jahr 1919 in den Fokus rückt. Vor 100 Jahren erfolgten nämlich die ersten Atlantiküberquerungen in der Luft. Der in jedem Lexikon vermerkte Nonstop-Flug mit einem britischen Bomber ist für Friedrichshafen dabei natürlich weniger bedeutend als die Route des englischen Starrluftschiffs R34 von Edinburgh nach Long Island, für die man nach einigen Wetterkapriolen rund 108 Stunden gebraucht hat. Länger hätte die Reise auch nicht dauern dürfen, denn der Treibstoffvorrat war bei der Ankunft so gut wie verbraucht. Abgesehen davon, dass die Rückfahrt bei günstiger Witterung in nur 75 Stunden gelang, hatten die Nachrichtensprecher auch Unterhaltendes zu berichten. Neben einem blinden Passagier schlich sich auch eine Katze an Bord, was den getigerten Vierbeiner mit dem Namen Wopsie bald zur Berühmtheit machte. Dass die Mitnahme eines kleinen Lieblings im legendären  Luftschiff „Graf Zeppelin, LZ 127“, mit dem man zehn Jahre später dann auch die Welt umrundete, erlaubt war, zeigen Fotos.

Das Ende der großen Zeppeline ist bekannt, den Brand des Luftschiffs „Hindenburg“ im Jahr 1937 in Lakehurst, bei dem 36 Menschen starben, dokumentieren Bilder und O-Töne eines Reporters. Das Wasserstoffgas hatte sich entzündet, Helium war in Deutschland, wo die Nazis Luftschiffe auch zu Propagandazwecken benutzten, nicht verfügbar. Wieder hatte die Politik eine Rolle gespielt. Damals, 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, in dem die Deutschen auch Zeppeline im Einsatz hatten, durften in Deutschland keine Luftschiffe in Betrieb genommen werden, die Briten bauten sie nach den Vorbildern aus Friedrichshafen. Luftschifflinien von den Britischen Inseln nach Kanada oder Australien einzurichten, galt im großen Empire als verlockend. Während konservative Politiker den kostspieligen Bau unterstützten, stieß er bei den Sozialdemokraten aber auf Ablehnung. Nach dem Absturz eines Luftschiffs im Oktober 1930 bei Paris, bei dem 48 Menschen ums Leben kamen, stoppte man alle weiteren Pläne.

Rio von oben

Bei den vielen Aufnahmen von einem Luftschiff über Manhattan handelt es sich meist um den Vorgänger des erwähnten „Graf Zeppelin“, das als Reparationsleistung für die USA gebaut wurde. Hugo Eckener, Leiter des Zeppelin-Konzerns, reiste damit selbst über den Atlantik. Der Werbeeffekt war groß. Reisen mit dem Luftschiff waren zwar nur einer betuchten Minderheit möglich, aber immerhin, die Strecke von Friedrichshafen nach Rio de Janeiro war in nur vier Tagen zu erledigen, alle paar Wochen konnte ein derartiges Abenteuer gebucht werden. Mit Foto- und Filmaufnahmen wurde auch den Daheimgebliebenen der Blick von oben auf die fernen Länder ermöglicht. Inklusive einer Polarfahrt hatte das Luftschiff „Graf Zeppelin“ Tausende Passagiere befördert.

Die Passagierflugzeugära startete zwar noch kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, wurde durch diesen jedoch unterbrochen. Die Transatlantikroute wird aktuell mit bis zu 3000 täglichen Flügen frequentiert. Hundert Jahre nach der Reise des Atlantikpioniers R34 ist das nicht nur zu bejubeln. Eine Luftschiffgondel aus einem Museum in Brüssel zeugt von der Geschichte und der Herausforderung, die sich der Besatzung einst stellte. Dass die Besucher die Zukunft mitentscheiden, wird erwähnt. Fliegen ist eine klimaschädliche Art sich fortzubewegen.

Luftschiff LZ 127 um 1930, Lady Grace Drummond Hay mit ihrer Katze im Aufenthaltsraum und eine Landung 1929. museum
Luftschiff LZ 127 um 1930, Lady Grace Drummond Hay mit ihrer Katze im Aufenthaltsraum und eine Landung 1929. museum
Selbstbildnis mit frühen Selbstporträts von Marta Hoepffner. Hoepffner/Museum
Selbstbildnis mit frühen Selbstporträts von Marta Hoepffner. Hoepffner/Museum

Die Ausstellung „Vernetzung der Welt“ läuft bis 3. Mai, die Ausstellung „Wege der Abstraktion“ bis 29. April im Zeppelin Museum Friedrichshafen: www.zeppelin-museum.de