2020 wird ein Kultur- und Korrekturjahr

Kultur / 30.12.2019 • 19:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Runde Geburtstage dominieren in Österreich allemal die Veranstaltungen. An Beethoven kommen Wiener Bühnen und Ausstellungshäuser im Jahr 2020 nicht vorbei. In Salzburg ist das Jubiläum ebenfalls spürbar, und in Bregenz wird bei den Festspielkonzerten berücksichtigt, dass der Komponist vor 250 Jahren in Bonn geboren wurde, aber die Epoche der Wiener Klassik neben Haydn und Mozart mitbestimmt. Selbstverständlich richtet man sich auch bei der Schubertiade danach. Apropos Bregenz: Nachdem Elisabeth Sobotka vor fünf Jahren als neue Festspielintendantin einen sehr guten Start hinlegte, bietet sie mit ihrer dritten Seeproduktion und mehreren Uraufführungen im Sommer 2020 ein fulminantes Programm.

Interessanterweise hatte das Vorarlberger Landestheater Beethovens „Fidelio“ schon 2019 gespielt. Vergleiche sind angesichts der Kleinheit dieses Unternehmens nicht angebracht, das Haus steht nun aber dennoch im Fokus, denn es holpert in der zweiten Saison unter der Leitung von Stephanie Gräve noch dahin. Klar, das Budget ist nicht rosig, aber langsam wird es Zeit, dass sich diese Bühne mit mehr als zwei bis drei guten Produktionen positiv ins Gerede bringt. Nachdem die neuen Stücke bislang vom Text her wenig Bemerkenswertes boten, hoffen Literaturfreunde auf Überraschungen mit den in den Spielplan genommenen Klassikern von Goethe, Aischylos und Büchner.

2020 werden auch Weichen gestellt, denn während das Theater Kosmos weitere Uraufführungen vorbereitet, gerät das junge Ensemble Unpop in Gefahr, unter die Räder zu kommen. Nachdem das Kulturbudget des Landes nur minimal erhöht wird, liegt es wohl an der Stadt Dornbirn, die dort angesiedelte, zu gering dotierte Bühne zu erhalten. Man hat somit die Möglichkeit zu beweisen, dass man auch ohne den angestrebten, aber nicht erreichten Kulturhauptstadttitel eine Kulturstadt ist. Freilich sind hierbei der Spielboden, ein engagierteres Konzertprogramm, das Jugendsinfonieorchester, das Architekturinstitut, das Museum inatura und der Kunstraum anzuführen. Letzterer hat erneut derart attraktive Ausstellungen angekündigt, dass die Einrichtung in Vorarlberg gleich nach dem Kunsthaus Bregenz rangiert.

Das Profil schärfen

An dritter Stelle ist das Kunstforum Montafon in Schruns zu nennen, das sich als bester Beweis dafür etabliert hat, dass das Gerede vom kulturell unterversorgten Oberland zu den Merkwürdigkeiten in Vorarlberg zählt. Wer das behauptet, will wahrscheinlich nur ein größeres Stück vom Subventionskuchen oder das geplante Industriemuseum dort angesiedelt haben, tut aber vor allem den einstigen Kämpfern um die Bludenzer Remise wie Ingo Springenschmid und Roland Jörg sowie den Pionieren der Tage zeitgemäßer Musik, etwa den namhaften Komponisten Georg Friedrich Haas und Alexander Moosbrugger, unrecht. Die jetzigen Macher verstehen es nur nicht, die Bevölkerung für das Festival, das zuletzt kaum jemand besuchte, zu interessieren. Die Alpinale von Nenzing nach Bludenz zu holen, wird nicht reichen, es ist auch das Profil dieses Kurzfilmfestivals zu schärfen, bei dem man sich mit lediglich rund 1000 Besuchern in fünf Tagen stets zufrieden gab. Das Festival Shakespeare am Berg hat man dafür per Aushungern aus Bludenz verscheucht. Hohenems holt es sich. Kulturell wird diese kleine Stadt mit einem neuen Literaturhaus in einer alten Villa 2020 zu den Playern im Land zählen. Architekturstudenten haben sich über den Ausbau des Jüdischen Museums Gedanken gemacht. Die Vorschläge haben Potenzial. Es ist davon auszugehen, dass man dieses nicht versanden lässt.

„An dritter Stelle ist das Kunstforum Montafon zu nennen, das sich als bester Beweis dafür etabliert hat, dass das Gerede vom kulturell unterversorgten Oberland zu den Merkwürdigkeiten in Vorarlberg zählt.“

Christa Dietrich

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