Der stilprägende Musiktheatermacher

Kultur / 01.01.2020 • 22:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Wien inszenierte er auch Musicals, Intendant Alfred Wopmann holte sich Harry Kupfers Version von „Fausts Verdammnis“ zu den Bregenzer Festspielen. APA
In Wien inszenierte er auch Musicals, Intendant Alfred Wopmann holte sich Harry Kupfers Version von „Fausts Verdammnis“ zu den Bregenzer Festspielen. APA

Harry Kupfer ist 84-jährig gestorben. Er inszenierte auch in Wien und Bregenz.

Berlin, wien, Bregenz  In den Jahren der deutsch-deutschen Teilung stand kaum jemand so stark für die grenzüberwindende Kraft der Musik wie Harry Kupfer: Der Ost-Berliner Opernregisseur konnte zwischen den Welten vermitteln und an den wichtigsten Musiktheatern in Wien, Bayreuth und Berlin inszenieren. Auch Festspielintendant Alfred Wopmann holte ihn nach Bregenz, wo er mit „Fausts Verdammnis“ in Erinnerung bleibt.

Harry Kupfer ist am 30. Dezember im Alter von 84 Jahren gestorben. Noch im März 2019 brachte er an der Komischen Oper Händels „Poro“ heraus, danach folgte „Tannhäuser“ in Zürich. Im Sommer 2016 hatte sein Salzburger „Rosenkavalier“ in der Mailänder Scala Premiere. Im vereinigten Deutschland blieb Kupfer einer der stilprägenden Opernmacher – auch nach seinem Abschied als Chefregisseur der Komischen Oper in Berlin. Seine Inszenierungen von Pfitzners „Palestrina“ in Frankfurt oder der „Lustigen Witwe“ in Hamburg fanden große Beachtung, und auch seine Ausflüge in die Welt des Musicals wurden gefeiert. Bereits 1978 brachte es Kupfer bis nach Bayreuth, wo er mit einem psychoanalytisch gefärbten „Fliegenden Holländer“ gemischte Reaktionen auslöste. Später produzierte er dort mit Daniel Barenboim den „Ring des Nibelungen“. Die Fallstudie aus dem Irrenhaus wurde gefeiert. „Menschen mit ihren Konflikten und Widersprüchen gehören auf die Opernbühne“, sagte der Regisseur. Sein Abschied an der Komischen Oper mit Brittens „Turn of the Screw“ wurde als Vermächtnis für das Haus gewürdigt. Der Moderne und den verfemten Komponisten fühlte sich der Schüler von Walter Felsenstein besonders verpflichtet. 1994 hatte er Berthold Goldschmidts musikalische Tragikomödie „Der gewaltige Hahnrei“ auf die Bühne gebracht. Nach dem Verbot durch die Nazis war das Werk 60 Jahre nicht mehr gespielt worden. Zu seinen Sternstunden gehörten fesselnde Deutungen von Reimanns „Lear“ oder Zimmermanns „Soldaten“.