So etwas hat es hier noch nie gegeben

Kultur / 01.01.2020 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal erweist sich als Publikumsmagnet. sams
Das Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal erweist sich als Publikumsmagnet. sams

Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal sorgte mit David Helbock für besonders klingenden Jahreswechsel.

Götzis Dank Markus Pferscher dürfen nun auch jene mit dem Konzertangebot des abgelaufenen Jahres zufrieden sein, denen die Auftritte von David Helbock in seiner Heimat als zu rar erschienen. Seine neue CD „Playing John Williams“ wurde international gefeiert, mit Schöpfungen des Filmkomponisten und mehrfachen Oscar-Gewinners, der von der Klassik-Branche gerne vereinnahmt wird, ein Silvester- und Neujahrskonzertprogramm zu gestalten, ist mehr als nur mutig, aber Pferscher, der das Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal seit über 20 Jahren leitet, versteht seine Musiker zu motivieren und hat zudem ein Ass im Ärmel. Den renommierten Vorarlberger Jazzpianisten vorne am neuen Bösendorfer sitzen zu haben, hat die jungen Leute regelrecht beflügelt und das Publikum im vollbesetzten großen Saal der Kulturbühne AmBach in Götzis jedenfalls beim ersten der beiden Konzerte am frühen Silvesterabend überrascht, berührt und begeistert.

Einzigartig

Kurz gesagt: So ein Festtagsprogramm hat es hier noch nie gegeben, auch wer kein ausgewiesener „Star Wars“- „E. T.“- oder „Jurassic Park“-Fan ist, kam aus dem Staunen und Genießen gar nicht mehr heraus. Großartig, wie David Helbock das Melodienmaterial für seinen kreativen Umgang mit Tasten und Saiten verwendet, fulminant, wie das Orchester darauf reagiert, und geradezu verwegen, wie Pferscher locker vom Hocker so tut, als es sei es nicht einem Hochleistungssport entsprechend, was er da mit seinem jung besetzten, aber mit ehemaligen Mitgliedern für diesen Programmteil entsprechend aufgestockten Orchester vollbringt und was ihm gelingt.

Schön, dass David Helbock „A Prayer for Peace“ als Zugabe wählte oder dass auch der Soundtrack von „Schindlers Liste“ Erwähnung fand. Es ist gut, die Weltpolitik für kurze Zeit einmal vor der Tür zu lassen, aber den Fehler, sie gänzlich zu verdrängen, hat man somit nicht gemacht. Begonnen hat das von Isabella Pincsek kompetent moderierte Konzert mit einer kurzen Reise nach Italien oder der Erinnerung daran, dass das Jugendsinfonieorchester Mittleres Rheintal im vergangenen Sommer Auftritte in der Toskana absolvierte. Fuciks „Florentiner Marsch“ wird gerade mit derart sattem Orchesterklang immer wieder gern gehört, der kleine Part aus Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ gab Gelegenheit, das Bläser- bzw. Hornpotenzial dieses Klangkörpers aufzuzeigen, und der große Strauß-Walser „Rosen aus dem Süden“ sorgte für traditionelle Neujahrskonzertstimmung und dokumentiert das sehr gute Ergebnis einer seit Jahrzehnten weiterentwickelten Orchesterarbeit an der tonart-Musikschule.

Solist Noah Schurig

Zudem ließ noch dieses kleine, Giuseppe Verdi zugeschriebene Capriccio aufhorchen, das die Begegnung mit einem weiteren Solisten bot. Noah Schurig, der 20-jährige Vorarlberger Fagottist, der aus der Kaderschmiede von Allen Smith am Landeskonservatorium in Feldkirch stammt und ein Studium in München anstrebt, machte das schwungvolle Stück mit herausfordernden Tempovorgaben zur fein ziselierten, spannenden Erzählung. Das ließ aufhorchen, hat zudem enormen Spaß gemacht und bleibt nach einem langen, ungemein vielfältigen, vom Lions Club organisierten Konzert bestens in Erinnerung.