So manchen hat es fast vom Sessel gerissen

Kultur / 01.01.2020 • 21:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Jugendsinfonieorchester Dornbirn musizierte unter der Leitung von Ivo Warenitsch. sams
Das Jugendsinfonieorchester Dornbirn musizierte unter der Leitung von Ivo Warenitsch. sams

Jugendsinfonieorchester Dornbirn gab sich tänzerisch.

Dornbirn Vor vielen Jahren mischten sich wirklich einmal Balletttänzer unter die Musikerinnen und Musiker des Jugendsinfonieorchesters Dornbirn. Guntram Simma stand am Pult, fing eine der Eleven gekonnt auf und hatte mit seiner Programmwahl nicht nur an die Wiener Neujahrskonzerttradition erinnert, sondern zudem darauf verwiesen, dass es an der Musikschule Dornbirn auch Tanzklassen gibt.

Der Tanz stand nun, zum Jahreswechsel 2019/2020, zumindest akustisch im Mittelpunkt. Ivo Warenitsch, der nicht nur das Orchester, sondern auch die Schule seit einigen Jahren leitet, gestaltete ein Programm mit Werken von Dvorák, Smetana, Lehár, Strauß, Raymond und in diesem Rahmen weniger oft erwähnten Komponisten wie Vittorio Monti und Benjamin Bilse, das sich ausnahmslos mit schwungvoll übertiteln lässt. Jugendorchester altern sowieso nie, und dass es die Dornbirner Festtagskonzerte nun schon seit weit über 30 Jahren gibt, das darf ruhig einmal festgehalten werden, gerne auch so fröhlich und lebhaft, dass es so manchen Besucher fast vom Sessel gerissen hat. Nicht unbegründet hatten Kassandra und Oliver, zwei noch ganz junge Orchestermitglieder mit überzeugenden rhetorischen Fähigkeiten, in ihrer Moderation darauf hingewiesen, dass die aktive Teilnahme nicht vorgesehen ist, dass man somit einfach nur zuzuhören braucht.

Solistin Philomene Schmolly

Unter anderem der erst elfjährigen Geigerin Philomene Schmolly, die in Dornbirn den ersten Musikunterricht erhielt und nun am Landeskonservatorium in Feldkirch studiert. Der gewählte Csárdás von Vittorio Monti gilt als kleines Virtuosenstück, an dem sich angehende Solisten beweisen können. Philomene Schmolly hat eine gute Wahl getroffen, das Stück entspricht offenkundig ihrem Temperament, bietet ihr die Möglichkeit, mit großer Musikalität den vollbesetzten Saal zu gewinnen. Warenitsch tat gut daran, das Tempo zur Erreichung eines weiteren Effekts nicht extrem zu steigern, wie es gelegentlich der Fall ist, sondern die Emotion zu unterstreichen, die die junge Geigerin schön zum Ausdruck und zur Wirkung bringt.

Im Grunde genommen galt das auch für den Kaiserwalzer von Johann Strauß. Abgesehen vom Sehnsuchtsthema lässt sich das Werk auch durchpeitschen, doch davon hielten die Dornbirner wenig, man setzte auf Eleganz. Dass man bei den Bläsern gut aufgestellt ist, ließ sich bei den Tänzen von Dvorák, Lehár und Smetana gut erkennen, und weil es bei den Silvester- und Neujahrskonzerten gerne etwas zu entdecken geben sollte, offerierte man Unterhaltendes von Benjamin Bilse, der, wenn auch aufgrund eines Streits mit seinen Musikern, die Gründung der berühmten Berliner Philharmoniker herbeiführte.

Auf der Operettenbühne dieser Stadt hatte Fred Raymond mit „Maske in Blau“ seinen größten Erfolg gefeiert. Mit entsprechend klangvollen Stimmen ließen die Solistinnen Antonia Feurstein und Lisa Klocker gemeinsam mit dem Orchester hören, dass nach Neujahr bald der Fasching kommt bzw. dass gute alte Schlager auch den jungen Leuten gefallen.

Das Konzert des Jugendsinfonieorchesters Dornbirn wird auch am 3. Jänner um 19.30 Uhr im Spannrahmen Hard aufgeführt.