Als die Mainau schwedisch wurde

Kultur / 03.01.2020 • 19:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Landung des Großherzogspaares in Bregenz. vorarlberger Privatsammlung, Foto: jana Sabo
Landung des Großherzogspaares in Bregenz. vorarlberger Privatsammlung, Foto: jana Sabo

Mit seinem neuen Salonschiff legte der Großherzog von Baden auch im Hafen von Bregenz an.

Bregenz Zum Bodensee hatte Großherzog Friedrich I. von Baden (1826-1907) eine besondere Beziehung, Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb er die Insel Mainau als Sommerresidenz und ließ einiges Mobiliar und Kunstgegenstände von seinem Stammsitz in Karlsruhe dorthin bringen. Auf der Mainau verbrachte er auch die Flitterwochen mit seiner Frau, der Prinzessin Luise von Preußen (1838-1923). Er verstarb 81-jährig auf der Insel, vermachte sie seinem Sohn Friedrich, der sie wiederum seiner Schwester Viktoria schenkte. Diese heiratete den König von Schweden, wodurch die damals schon reichlich bepflanzte Insel in den Besitz der Familie Bernadotte kam. Ihr Enkel, Graf Lennart (1909-2004), hat das zwischenzeitlich ziemlich verwilderte Eiland schließlich zum Blumenparadies ausgebaut, das seine Kinder nun als Unternehmen leiten.

Es heißt übrigens, dass die heutige schwedische Kronprinzessin Victoria nach der erwähnten Viktoria von Baden benannt wurde.

Was hat das mit Bregenz zu tun? Jedenfalls bereiste besagter Großherzog Friedrich I. gerne den Bodensee. Baden, damals noch nicht mit Württemberg verbunden, zählte schließlich zu den Anrainerstaaten. Die Aufnahmen aus einer Vorarlberger Privatsammlung stammen aus der Zeit um 1900 und zeigen die Ankunft des Salonschiffes „Kaiser Wilhelm“ im Bregenzer Hafen sowie das Großherzogspaar.

Ein neuer Schiffstyp

Die „Kaiser Wilhelm“ stand damals für einen völlig neuen Schiffstyp, für den maßgebliche Teile bei Escher Wyss in Zürich gefertigt wurden. Gebaut wurde das Schiff in der Werft in Konstanz. Im Gespräch mit den VN verweist der Kunsthistoriker Tobias G. Natter auf das damals eigens verlängerte Promenadendeck. Kurz vor der Jahrhundertwende erhielt das Schiff eine Dampfheizung und eine elektrische Beleuchtung. 1930 wurde es ausgemustert. Das Ende wirkt aus heutiger Sicht durchaus abenteuerlich, der von den Aufbauten entfernte Rumpf soll nämlich in der Ostsee versenkt worden sein.

Bereist hat man den Bodensee offenbar mit üppiger Entourage und großer Besatzung. Am Heck des Schiffes ist ein Mann zu sehen, der die ersten Schritte der Gesellschaft an Land mit weit herausgebeugtem Kopf beobachtet. VN-cd