Die erste Alpenüberquerung

Kultur / 03.01.2020 • 21:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Sonntag, 5. Jänner, soll der Euterballon der Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar vom Bregenzerwald aus in Richtung Italien starten. Husar
Am Sonntag, 5. Jänner, soll der Euterballon der Vorarlberger Künstlerin Barbara Anna Husar vom Bregenzerwald aus in Richtung Italien starten. Husar

Künstlerin Barbara Anna Husar steht mit ihrem Euterballon und starker Botschaft parat.

Hittisau Skeptikern wird es gut erklärt, für Ballonfahrten über die Alpen ist der Winter die geeignetere Jahreszeit. Auch wenn es über den Gipfeln ganz schön kalt werden kann. Am Sonntag vor Dreikönig soll es in Hittisau losgehen, allerdings ist das, was Barbara Anna Husar initiiert hat, nicht nur eine Ballonfahrt mit all ihren Tücken und Herausforderungen, sondern Teil einer Kunstaktion. Husar (geb. 1975 in Feldkirch) hat sich als Künstlerin, die sich mit der Erdgeschichte, dem Lebensraum und den Lebensformen auseinandersetzt, längst international einen Namen gemacht. Nahezu legendär sind Projekte, die nach längeren Aufenthalten in Wüstenregionen und dem Leben mit Beduinen entstanden sind. Schon während ihres Studiums in Wien beschäftigte sie sich mit Ressourcenknappheit, Umweltschutz sowie biologischen Vorgängen, die im urbanen Umfeld oft zu wenig Beachtung finden. Dass sie ihre künstlerische Arbeit auch darauf ausrichtet, auf vielschichtige Mechanismen aufmerksam zu machen, die unsere Lebensräume gefährden, liegt auf der Hand. Ihre Installationen und zeichnerischen Arbeiten berührten dabei stets auch durch die ihnen innewohnende Poesie oder gelegentlich auch durch den speziellen Humor, der Barbara Anna Husar eigen ist.

Erhebungen zum Umdenken

Im Rahmen des letzten Festivals Walserherbst, das jeweils biennal im bäuerlich-alpinen Raum in Vorarlberg realisiert wird, konstruierte sie einen Euterballon. Die Assoziation zur Turbokuh ist rasch geweckt. Erhebungen nennt sie ihre Ballonfahrten, die ein Umdenken verbildlichen sollen. Die nachhaltige Landwirtschaft, die Klimaveränderung oder ressourcenschonendes Wirtschaften sind zu Themen geworden, die konkret in ihr künstlerisches Schaffen einfließen. Demnächst findet ein Treffen mit der Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga statt. Die Politikerin ist auf der Suche nach Künstlerinnen und Künstlern, die sich speziell mit Umweltfragen beschäftigen und in der Lage sind, größere Projekte umzusetzen.

Auch ihre erste Alpenüberquerung kommentiert Barbara Anna Husar als Zeichensetzung. Dass sie sich dabei der Bewegung der Natur auszusetzen hat, ist für sie ein absolut passender Aspekt. Die Gefahr lässt sich, wie sie im Gespräch mit den VN erläutert, einigermaßen kalkulieren. Ein erfahrener Pilot wird mit ihr im Korb sein, ein weiterer begleitet den Euterballon mit seinem eigenen Gefährt. Oben ist die Luft dünn, aber es sei sehr sonnig, hat man ihr gesagt. Das Ziel ist Italien sowie die Übermittlung ihrer Botschaft.

„Ich setze mich damit auch einer Bewegung aus, die die Natur vorgibt.“

Husar hat den Euterballon 2018 als soziale Skulptur entwickelt. lerch
Husar hat den Euterballon 2018 als soziale Skulptur entwickelt. lerch