Von Bruderschaft kann keine Rede sein

Kultur / 03.01.2020 • 18:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die geheime Mission des KardinalsRafik Schami, Verlag Hanser, 432 Seiten

Die geheime Mission des Kardinals

Rafik Schami, Verlag Hanser, 432 Seiten

Es gibt aber Hoffnung, sagt der Autor Rafik Schami.

Roman Für Schriftsteller Rafik Schami ist der blutige Bürgerkrieg in Syrien kein Konflikt irgendwo am Ende der Welt. Facettenreich beschreibt der in Rheinland-Pfalz lebende Autor in seinem jüngsten Krimi „Die geheime Mission des Kardinals“ die Stimmung in seinem Geburtsland am Vorabend der Kämpfe. Der friedliche zivile Aufstand zu Beginn sei vor den Augen einer gleichgültigen Welt kaltblütig zusammengeschossen worden, kritisiert er. „Es wird aber nie mehr Ruhe in den arabischen Ländern einkehren, so lange dort Verbrecher herrschen, die mit Genehmigung des Westens die Reichtümer und Kraft ihrer Völker ausrauben. Das soll heute jeder hören.“ Seit September tourt der in Marnheim lebende Autor mit seinem Buch durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Als Erzähler verfügt Schami auch über ein feines Ohr für Sprache – welches Deutsch begegnet ihm auf seiner Tour? „Meine Antwort ist sehr subjektiv“, sagt der 73-Jährige, „zu meinen Lesungen kommen nur Sprachliebhaber sowie sensible und neugierige Menschen.“ Allerdings treffe er in Zügen auch andere Menschen. „Sie lesen nicht, sie sprechen nicht, und statt sich die Landschaft anzuschauen, glotzen sie dauernd auf ihr Smartphone.“ Das sei aber kein deutsches Problem allein.

Schami wurde als Angehöriger der christlich-aramäischen Minderheit 1946 in Damaskus geboren, kam 1971 nach Deutschland und promovierte 1979 in Heidelberg in Chemie. Rafik Schami ist ein Pseudonym und bedeutet „Damaszener Freund“. Der wirkliche Name des Schriftstellers lautet Suheil Fadél. Er gilt als ein wichtiger Autor deutscher Sprache.  Doch das Erzählen leide zur Zeit, meint Schami. „In den arabischen Ländern geht dieses Erbe durch die Diktatur zugrunde, die die Freiheit des Wortes und damit des Erzählens erwürgt“, sagt er. „In den westlichen Demokratien bemüht sich die Unterhaltungsindustrie wiederum immer innovativer und effizienter, die Menschen zu stummen und – wenn möglich – dummen Zuschauern zu machen.“ In „Die geheime Mission des Kardinals“ lotet der Schriftsteller auch das Verhältnis der Religionen im Orient aus. Wie aufrecht ist die vielbeschworene Bruderschaft der Glaubensgemeinschaften? „Das ist mehr Wunsch als Realität“, meint Schami. Von Bruderschaft könne keine Rede sein. „Liebe verbindet und überwindet Grenzen, Religionen bauen auf Trennung und Konkurrenz.“ Es gebe aber Hoffnung.

Betrachtet der Autor Syrien noch als Heimat? „Nicht das Land als großes Gebilde“, sagt er, „sondern meine Kindheit und Jugend in Damaskus. Das ist meine erste, Deutschland meine zweite und Italien meine dritte Heimat.“ Sein Kontakt mit syrischen Flüchtlingen in Deutschland sei von Respekt geprägt. „Sie äußern offen ihre Empörung gegen das Regime, das meine Bücher verbietet. Sie hören genau zu – auch wenn manchem nicht all meine Ratschläge gefallen.“ Deutsch lernen, dankbar sein, aktiv mitarbeiten sind einige der Empfehlungen.