Weltgrößte Kirchenorgel im Passauer Dom wird saniert

Kultur / 04.01.2020 • 15:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

passau Die Orgel im Passauer St. Stephan Dom ist in die Jahre gekommen. Die weltgrößte Kirchenorgel ächzt und stöhnt, der Winddruck reicht nicht mehr aus, die Stromversorgung ist anfällig und Statik sowie Pilzbefall sorgen auch noch für Probleme. „Dazu hat sie jetzt öfters Aussetzer, da ist einwandfreie Bespielbarkeit nicht mehr gesichert“, sagt Domorganist Ludwig Ruckdeschel über sein Arbeitsgerät.

Um das Update des Instruments so durchdacht und nachhaltig wie möglich zu gestalten, ließ Dompropst Michael Bär eine 15-köpfige, aus externen Experten sowie Domvertretern bestehende „Orgelkommission“ bilden. Resultat: Die anstehende rund fünf Jahre dauernde Sanierung werde etwa sechseinhalb Millionen Euro kosten.

Das Heikle daran: Der Betrieb soll während der aufwendigen Arbeiten aufrechterhalten bleiben. Nicht nur, weil der Klang der Orgel zum Gottesdienst im Passauer Dom gehört, wie das „Vaterunser“ zur Liturgie. Sondern auch, weil das 1928 in Betrieb genommene Instrument einen guten Teil der anstehenden Kosten selbst hereinholt. Neben der üblichen Bezuschussung aus Kirchensteuergeldern erhoffe man sich in Passau auch Mittel aus anderen öffentlichen Töpfen.

Die Chancen dürften gut stehen. Schließlich ist die Orgel im Passauer Dom weit mehr als ein zeremonielles Instrument. Sie ist auch ein Besuchermagnet und ein touristisches Glanzlicht in der niederbayerischen Drei-Flüsse-Stadt. Nach dem letzten Aus- und Umbau und der letzten Generalreinigung im Jahr 1980 begeisterte das 233 Register, 17.974 Pfeifen sowie vier Glockenspiele zählende Kircheninstrument unzählige Kirchengänger und Konzertbesucher.

Die Orgel im Passauer St. Stephan Dom besteht aus insgesamt fünf Orgeln. Die Hauptorgel ist in der mittleren Westempore untergebracht, flankiert wird sie von vier, stilistisch unterschiedlichen Orgeln in den Seitenschiffen, im Dachstuhl und im Chorraum. Seit der letzten Sanierung ist die Domorgel klanglich im Neo-Barock angelegt. Nach der anstehenden Runderneuerung erwartet die Kirchgänger und Konzertbesucher ein neues Klangerlebnis: „Ursprünglich war die Orgel in der ausklingenden Spätromantik verortet“, sagt Bär. „An diesen kräftigen und warmen Klang möchten wir anknüpfen. Wir wollen einen schlafenden Riesen wecken.“