Neujahrskonzert, das Erinnerungen weckt

Kultur / 06.01.2020 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sinfonietta Lustenau unter Christian Beemelmans mit der Sopranistin Sabine Winter. JU

Sinfonietta Lustenau gestaltet ihr fünftes Neujahrskonzert mit Stücken aus der Nachkriegszeit.

LUSTENAU Während die Neujahrskonzerte der Musikschulorchester in Dornbirn, Götzis und Bludenz durchwegs auf eine jahrzehntelange Tradition verweisen, spielt die Sinfonietta der Rheintalischen Musikschule als „musikalisches Neujahrsbaby“ erst seit 2016 regelmäßig zum Jahreswechsel auf. So war es heuer mit dem fünften Konzert in Folge auch ein kleines Jubiläum, das mit viel Schwung begangen wurde, samt Dirigent und einer bunten Reihe von Solisten herzlich gefeiert von einem längst ausverkauften Reichshofsaal.

Die rührige Lustenauer Musikschuldirektorin Doris Glatter-Götz hat dieses rund 70-köpfige Orchester 2011 zu ihrem Einstand gegründet und alters- und ausbildungsmäßig unterschiedlich vor allem aus Schülern ab 12 Jahren mit stark weiblichem Anteil und Lehrern zusammengestellt.  Von Beginn an führte sie selber den Taktstock, auch als 2016 erstmals mit dem Neujahrskonzert der Sprung ins Lustenauer Konzertabo gelang. Letztes Jahr übergab Glatter-Götz an den Dirigier- und Horn-Lehrer Christian Beemelmans, der auch beim zweiten Mal mit Bedacht auf Sicherheit einiges an Qualität erreichte. Dabei hätte dem Klangkörper anstelle von Verbindlichkeit doch eine etwas härtere Gangart für Genauigkeit und Gestaltung nicht geschadet.

Auch wenn sie nicht mehr selbst am Pult steht, hat sich die Direktorin auch weiterhin die  spezielle Programmgestaltung der Neujahrskonzerte vorbehalten. Mit dem Begriff „Strauß-Fasten“ propagierte sie noch im Vorjahr die bewusste Abstinenz von der Fülle wienerischer Tanzmusik. Wenn auch Strauß heuer mit einer Reihe elegant gespielter Melodien bis hin zum Radetzky-Marsch als Zugabe wieder zu seinem Recht kommt, legt Doris Glatter-Götz den Schwerpunkt dennoch wie zuletzt auf die vielfach vergessene „gehobene“ Únterhaltungsmusik. Diese eigene Profilierung funktioniert heuer besonders gut, weil es diesmal um zwei damals hoch geschätzte, heute vergessene Komponisten aus unserem Land geht, die das nach dem Krieg aufkeimende Musikleben auch mit ihren Werken wesentlich beeinflussten. Der deutsche Kapellmeister Hans Moltkau (1911 – 1994) ist als Leiter des Vorarlberger Funkorchesters von 1945 bis zu dessen Auflösung 1959 heute eine Legende, der Wiener Wilhelm Stärk (1913 – 1988) war Direktor der Dornbirner Musikschule und Motor der jährlich von ihm dirigierten Opern- und Operettenaufführungen.

Vokale Glanzpunkte

Es war sicher nicht einfach, mit vorwiegend jungen Leuten diese nostalgischen, etwas verstaubt klingenden Stücke vor allem in ihrem typischen Charakter möglichst authentisch wiederzubeleben, aber es ist doch in erstaunlichem Maße gelungen. Vor allem setzt die erstmals in diesem Rahmen tätige heimische Sopranistin Sabine Winter immer wieder vokale Glanzpunkte, die den verblichenen Zauber jener Zeit wieder aufleuchten lassen. Mit ihrem natürlichen Charme und einer leicht geführten, kultivierten Stimme lässt sie auch Evergreens wie Moltkaus „Niemals lass ich dich allein“ oder Stärks „Barbara-Lied“ in ihren feinen lyrischen Momenten voll Innigkeit erstehen und wird damit zum bejubelten Star des Abends. Ihr Duettpartner ist der an der Lustenauer Musikschule als Bassbariton ausgebildete Dornbirner Internist Burkhard Walla, dessen gestenreich launige Einlagen seine stimmliche Überforderung für diese Aufgabe und dieses Repertoire nicht wettmachen können. In weiteren Soloeinlagen brilliert der als Lehrer tätige Klarinettist Jure Robek, der junge Cellist Jakob Hemmerling schlägt sich mutig mit Strauß. Die Moderatorin Anneliese hat in breitestem „Luschnouarisch“ mit innenpolitischen Pfeilen Richtung Wien das Publikum rasch auf ihrer Seite. Fritz Jurmann

Nächster Auftritt der Sinfonietta Lustenau, 24.Jänner, 19 Uhr, Reichshofsaal, Faschingskonzert.