Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Punkte, die zahlreiche Kulturschaffende betreffen

Kultur / 07.01.2020 • 08:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Als man die Kunst, für die jahrzehntelang verschiedene Minister oder mit Hilde Hawlicek eine Ministerin zuständig waren, vor etwas mehr als 20 Jahren zur „Chefsache“ erklärte, das heißt, ins Bundeskanzleramt holte, klang dies nur gut. Überlassen wurde sie einem Staatssekretär. Nach einer kurzen Aufwertung unter Ministerin Claudia Schmied war sie wieder Anhängsel im Kanzleramt. Wobei man nicht ungerecht sein darf, unter Josef Ostermayer, der rechten Hand des damaligen SPÖ-Bundeskanzlers Werner Faymann, wurden einige positive Maßnahmen gesetzt, die auch in Vorarlberg spürbar wurden.

Das Kulturbudget unter Finanzminister Gernot Blümel aufzustocken, wird zudem schwierig sein. Damit gilt es allerdings zu beweisen, dass man die Stärkung der Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur ernst meint.

Sie betrafen unter anderem die Bregenzer Festspiele, aber auch verschiedene Kulturinitiativen, die sich der Unterstützung von Seiten des Bundes sicher sein konnten. Der hohe Wert des Jüdischen Museums Hohenems für Österreich wurde beispielsweise auch in Wien erkannt, mit Yilmaz Dziewior wurde der damalige Direktor des Kunsthaus Bregenz zum Kommissär der Biennale Venedig bestellt und Günter Rhomberg, ehemaliger Präsident der Bregenzer Festspiele, wurde zu jener Zeit als der Finanzskandal am Burgtheater aufflog zum Geschäftsführer der Bundestheater-Holding ernannt. Der Vorarlberger Unternehmer hatte die Strukturen zu bereinigen und Reformen einzuleiten.

Im Zuge der Bildung der türkis-grünen Koalitionsregierung, deren Mitglieder am heutigen 7. Jänner angelobt werden, gab es für kurze Zeit berechtigte Hoffnungen, dass die Kunst- und Kulturagenden nicht mehr aufgesplittet, sondern in einem Ministerium zusammengeführt werden. Daraus wird bekanntermaßen nichts, die Kultur wandert so wie sie war nur vom Kanzler zum Vizekanzler. Grünen-Chef Werner Kogler überlässt sie dort seiner Staatssekretärin Ulrike Lunacek, die nach dem Wahldebakel der Grünen im Jahr 2017 erst einmal politisch pausiert hatte.

Viel zu tun

Will man das umsetzen, was im Regierungsprogramm für 2020 bis 2024 festgeschrieben ist, hat Lunacek viel zu tun. Das Kulturbudget unter Finanzminister Gernot Blümel aufzustocken, wird zudem schwierig sein. Damit gilt es allerdings zu beweisen, dass man die Stärkung der Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur ernst meint. Von der möglichen Valorisierung der Förderungen ist da zu lesen oder von der Stärkung der regionalen und lokalen Förderung für Künstlerinnen und Künstler, für die freie Szene und für Kulturinitiativen. Neben der Verbesserung des Förderwesens und der Erreichung von mehr Transparenz in diesem Bereich sind das Punkte, die sehr viele Kulturschaffende betreffen und von denen die Bevölkerung in den Regionen profitieren könnte.  

Die beabsichtigte Schaffung einer Bundesmuseums-Holding ist  – sollte sie überhaupt gelingen – wohl eher Makulatur, letztlich ist es trotz einiger dazu erstellter Studien noch nicht einmal geglückt, die Kompetenzaufteilung der gut dotierten Museen in der Bundeshauptstadt zu regeln.

Wesentliche Stellen im Kulturbereich sind jedenfalls bereits besetzt. Das vom ehemaligen Kanzleramtsminister Thomas Drozda verursachte Dilemma um die Leitung des großen Kunsthistorischen Museums ist mit der Wiederbestellung von Sabine Haag beendet und der Musikmanager Bodgan Roscic wird sich als neuer Staatsoperndirektor bewähren müssen.