Musiktipps. Von Fritz Jurmann

Kultur / 09.01.2020 • 19:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

KÜNSTLER Wiener Philharmoniker, Dir. Andris Nelsons

ALBUM Neujahrskonzert 2020

PRODUKTION SONY Classical (2 CDs)

Man braucht nur ein Werk aus dem heurigen Programm herauszuheben und hat damit den Charakter des gesamten heurigen Neujahrskonzertes umrissen. Es ist die Ouvertüre „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé, die in ihrer galoppierenden Lebensfreude, der Leichtigkeit des musikalischen Seins und ihrer atemberaubenden Präzision symptomatisch ist für die Bindung, die der debütierende Dirigent Andris Nelsons und das Orchester zueinander gefunden haben. Nelsons vertraute sichtlich darauf, dass niemand dieses Repertoire besser beherrscht als die Philharmoniker selbst, ließ sie immer wieder von der Leine und nahm sich selbst bescheiden zurück, ganz ohne pompöse Strauß-Show, aber doch mit den nötigen Konturen. Grundlage des wunderbaren Erfolges ist der kluge Programmbogen, der auch durch die vielen einbezogenen Gedenktage, mit denen man es allen recht machen wollte, keinerlei Einbußen erlitten hat.

KÜNSTLER Cecilia Bartoli,

Mezzosopran

ALBUM Farinelli

PRODUKTION DECCA

La Bartoli auf den Spuren von Conchita Wurst? Keine Angst, nur auf dem Cover ihrer aktuellen CD verirrt sich die großartige Sängerin mit schwarzem Aufklebebart in solch geschmackliche Abgründe. Die Einspielung selbst dagegen ist wie üblich großartig. Immerhin begibt sich Cecilia la Grande hier zehn Jahre nach ihrem ersten Album zum zweiten Mal auf die Spuren des berühmten Kastraten Farinelli und macht sich imponierend weitere elf Arien aus dessen Repertoire zu eigen, samt allen erdenklichen stimmlichen Verzierungen, die damals von den bedauernswerten Vertretern dieser Spezies gefordert waren und heute den flinken Kehlen von Mezzosopranen vom Kaliber einer Bartoli anvertraut sind. Mit dem tollen Ensemble Il Giardino Armonico setzt die Sängerin ganz auf Kraft und Ausdruck ihrer gestochen scharfen, oft fast instrumental wirkenden Koloraturtechnik, ohne dass dabei notwendige Emotionen auf der Strecke blieben.

KÜNSTLER Mariani Klavierquartett

ALBUM „Idée fixe“ Vol. 2

PRODUKTION

gwk Records

Nach dem erfolgreichen ersten Album unter diesem Motto präsentiert das Mariani Klavierquartett die logische Nachfolge. Dem 2009 gegründeten Ensemble gehört auch der seit 2014 am Landeskonservatorium als Klavierprofessor tätige, bei Karl-Heinz Kämmerling ausgebildete Pianist Gerhard Vielhaber an. Trotz des ihm meist zugedachten, oft solistischen Parts am Klavier fügt er sich in diesem Ensemble in einem kammermusikalischen Geist sehr differenziert ins Streichergefüge ein. Gemeinsam reizen sie größte Leidenschaft aus, erzielen über natürliche Wärme und feinste dynamische Schattierungen ein Maximum an Intensität. Dies kommt den beiden monumentalen Klavierquartetten dieser Einspielung zugute, deren Schöpfer Gabriel Fauré und George Enescu in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis zueinander standen. Gemeinsam ist ihren Werken die „Idée fixe“ eines thematischen roten Fadens, der gut nachzuvollziehen ist.

KÜNSTLER Peter Schrammel, Piano, feat. Stella Jones, Vocals

ALBUM blues

PRODUKTION Rossori Music

„Würden die Schrammeln heute Musik machen – es wäre bestimmt Blues!“ Diese kühne Behauptung belegt Dr. Klaus-Peter Schrammel, ein waschechter Urenkel des berühmten Wiener Komponisten Johann Schrammel, mit seinem neuesten Album als kompetenter und leidenschaftlicher Profi-Jazzer am Klavier. Nach dem Tod seiner Frau, der legendären Bluessängerin Christine Jones, musiziert er nun samt einer profilierten Wiener Jazz-Combo zusammen mit seiner als Vokalistin bei Song-Contest und Musicals gefragten Tochter Stella Jones (49) bei speziellen Events. Auch mit 77 ist der pensionierte „Rechtsanwalt der Künstler“ unermüdlich – Hauptsache, es groovt und hat das schwarze Gospel- und Blues-Feeling. Die aktuelle Live-Einspielung vom Vienna Blues Spring 2019 mit familieneigenen Songs zeigt ein hoch inspiriertes Vater-Tochter-Duo, das vor allem in der Bundeshauptstadt von seinen Fans heiß verehrt wird.