Mit der Kauffmann startete einst Vorarlbergs Ausstellungsszene

Kultur / 10.01.2020 • 19:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ausstellungsplakat von 1908. Vorarlberger privatsammlung, Sabo
Ausstellungsplakat von 1908.
Vorarlberger privatsammlung, Sabo

Ein seltenes Plakat für eine Ausstellung im Jahr 1908 lässt wesentliche, interessante Schlüsse zu.

Bregenz Der Wunsch der Veranstalter war es, im Jahr 1907, zum 100. Todestag der Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807), in Vorarlberg eine große Ausstellung auszurichten. Stattgefunden hat sie schließlich mit einjähriger Verzögerung, die wohl darauf zurückzuführen ist, dass es wenige Monate nach dem erst 1905 eröffneten Landesmuseum am Bregenzer Kornmarkt noch nicht gelang, wichtige Werke Kauffmanns aus englischem Besitz als Leihgaben zu erhalten. Im Jahrbuch des Landesmuseumsvereins ist nämlich nachzulesen, dass die dahingehenden Bemühungen „leider völlig erfolglos“ geblieben sind. Das seltene Ausstellungsplakat, das sich in einer Vorarlberger Privatsammlung befindet, markiert jedenfalls den Start der Ausstellungsszene im Land.

Touristen als Zielpublikum

Es ziert ein Selbstbildnis der Malerin aus den Uffizien, entspricht in der Gestaltung dem Jugendstil, verweist darauf, dass mit der Eintrittskarte auch die anderen Sammlungen, also die römischen Funde, die Bauernstuben oder etwa die mineralogische Sammlung, zu besichtigen seien. Veranstaltet wurde die Ausstellung in den Sommermonaten von Juli bis September, wobei in den Dokumenten nachzulesen ist, dass man die Auffassung vertrat, dass auch die Touristen ein Zielpublikum darstellen. Der Fremdenverkehr hatte sich in Vorarlberg gerade langsam entwickelt, deshalb schrieb man von der „im Laufe des Sommers die Bodenseegegend besuchenden Fremdenwelt“.

Gerade nachdem in diesen Tagen in Schwarzenberg, der Heimatgemeinde des Vaters der in Chur geborenen und in London und Rom so erfolgreich tätig gewesenen Malerin, die Feierlichkeiten zum 750- Jahr-Jubiläum gestartet werden, in deren Rahmen heuer auch eine Kauffmann-Ausstellung stattfinden wird, ist es interessant zu erfahren, wie die Ausstellung damals rezipiert wurde. Der Kunsthistoriker Tobias G. Natter erzählt von zahlreichen Presseberichten, auf die man in Bregenz sehr stolz war. Auch mehrere deutsche und Schweizer Zeitungen hatten dem Ereignis Artikel gewidmet. Gerne sei dabei etwa aus den „Basler Nachrichten“ zitiert worden, in denen Angelika Kauffmann, die in der Schweiz zur Welt kam, konkret als „Landsmännin der Vorarlberger“ bezeichnet wurde.

Dass eine derartige Ausstellung mit finanziellen Aufwänden verbunden ist, wurde professionell und von den Veranstaltern wohl auch im Sinne eines Bildungsauftrages zur Kenntnis genommen: „Einen materiellen Erfolg haben wir uns nicht erwartet und auch keinen zu verzeichnen – das war auch niemals das Motiv gewesen.“ Alleiniger Zweck der Ausstellung sei es laut schriftlicher Dokumentation gewesen, „das Andenken Angelika Kauff­manns in ihrem engeren Heimatlande zu ehren und zu zeigen, dass ihr Name und ihr künstlerischer Ruhm auch bei uns nicht in Vergessenheit geraten sind, sondern weiterleben.“ VN-cd