Nun heißt es richtig „Vom Wind verweht“

Kultur / 10.01.2020 • 17:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vom Wind verwehtMargaret Mitchell,Antje Kunstmann1328 Seiten

Vom Wind verweht

Margaret Mitchell,

Antje Kunstmann

1328 Seiten

Margaret Mitchells Bürgerkriegsepos wurde neu übersetzt.

Die erste Übersetzung des weltberühmten Klassikers „Vom Winde verweht“ ins Deutsche  erschien 1937. Sie wurde  von Martin Beheim-Schwarzbach verfasst, der neben Übersetzungen aus dem Englischen (Dickens, D.H. Lawrence, Mark Twain) ein umfangreiches Werk an Sachbüchern wie auch Belletristik vorlegte. Aus Furcht vor den Nazis emigrierte er. Im Nachwort zur jetzt erschienenen Neuausgabe erklärt Andreas Nohl – zusammen mit Liat Himmelheber Übersetzer der neuen, erweiterten Ausgabe des Werks – zwar habe die Originalausgabe im Henry Goverts Verlag noch bis zur 16. Auflage erscheinen dürfen, jedoch ohne Nennung des Erstübersetzers.

Beheim-Schwarzbach kehrte 1949 als britischer Offizier nach Hamburg zurück und war durch seine Kontakte mit Kollegen bald wieder  ins literarische Leben integriert. Abgesehen davon, dass Sprache altert, wurde einiges an seinem heute als romantisierend empfundenen Stil gekürzt oder umformuliert. Nohl und Himmelheber orientieren sich am eher journalistischen Duktus, dessen Mitchell sich bediente.

In diesen Zusammenhang gehört zweifellos der Verzicht auf das Dativ-E, womit der „Vom Wind verweht“ lautet. Im Verlauf des ganzen Texts treten zahlreiche Beispiele für das grammatikalisch zeitgemäße Verfahren auf, doch nie führt diese Änderung zum kurzen, erstaunten Innehalten. Als problematisch gilt für die Übersetzung Beheim-Schwarzbachs sein Umgang mit sprachlichem Rassismus. Das Kauderwelsch, das er den Schwarzen vielfach in den Mund legt, ist in der Tat diskriminierend und trägt zusätzlich zur schweren Lesbarkeit bei. Dem Vorwurf Himmelhebers in einem Interview, das „N-Wort durchzieht das Buch wie eine Seuche“ ist durch Vergleich mit seiner Übersetzung zu widersprechen. Am häufigsten bezeichnen sich die Schwarzen untereinander als „Nigger“. Nohl korrigiert das Urteil seiner Ko-Übersetzerin mit folgendem Hinweis: „Aber die Sklaverei wird geschildert und die Borniertheit der Südstaatler deutlich gezeigt. Der Roman ist ja vor allem kritisch gegenüber den Südstaaten, auch wenn das gerne übersehen wird.“

In den vielen Gesprächen Scarletts mit Rhett zeichnet der Roman ihre gegen den Bürgerkrieg gerichtete wie auch kämpferisch emanzipatorische Haltung. Dank der neuen Übersetzung wird diese Grundhaltung Scarletts klarer. Margaret Mitchell, die 1900 in Antlant zur Welt kam und 1949 nach einem Autounfall starb, hat für ihren Roman den Pulitzerpreis gewonnen. Salg