Mit Angelika Kauffmann startete einst Vorarlbergs Ausstellungsszene

Kultur / 11.01.2020 • 15:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kopfstück des Ausstellungsplakats zur Ausstellung mit Arbeiten von Angelika Kauffmann im Jahr 1908 in Bregenz. VORARLBERGER PRIVATSAMMLUNG, FOTOS: JANA SABO

Ein seltenes Plakat einer Ausstellung aus dem Jahr 1908 lässt wesentliche Schlüsse zu.

Christa Dietrich

Bregenz Wunsch der Veranstalter war es, im Jahr 1907, zum 100. Todestag der Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807), eine große Ausstellung auszurichten. Stattgefunden hat sie schließlich mit einer einjährigen Verzögerung, die wohl darauf zurückzuführen ist, dass es wenige Monate nach dem 1905 eröffneten Landesmuseum am Bregenzer Kornmarkt noch nicht gelang, wichtige Werke Kauffmanns aus englischem Besitz als Leihgaben zu erhalten. Im Jahrbuch des Landesmuseumsvereins ist nämlich nachzulesen, dass die dahingehenden Bemühungen „leider völlig erfolglos“ blieben.

Das seltene Ausstellungsplakat, das sich in einer Vorarlberger Privatsammlung befindet, markiert jedenfalls den Start der Ausstellungsszene im Land. Es dokumentiert damit auch, dass auf diese Art in der Öffentlichkeit für Kunst geworben wurde. Den oberen Teil ziert ein Selbstbildnis der Malerin aus den Uffizien, das Werk entspricht in der Gestaltung dem Jugendstil und verweist darauf, dass mit der Eintrittskarte auch die anderen Sammlungen, also die römischen Funde, die Bauernstuben oder etwa die mineralogische Sammlung, zu besichtigen seien.

Entwicklung des Fremdenverkehrs

Veranstaltet wurde die Ausstellung in den Sommermonaten von Juli bis September, wobei in den Dokumenten nachzulesen ist, dass man die Auffassung vertrat, dass auch die Touristen ein Zielpublikum darstellen. Der Fremdenverkehr hatte sich in Vorarlberg gerade langsam zu entwickeln begonnen, deshalb schrieb man von der „im Laufe des Sommers die Bodenseegegend besuchenden Fremdenwelt“.

Gerade nachdem in diesen Tagen in Schwarzenberg, der Heimatgemeinde des Vaters der in Chur geborenen und in London und Rom so erfolgreich gewesenen Malerin, die Feierlichkeiten zum 750 -Jahr-Jubiläum gestartet werden, in deren Rahmen heuer auch eine Kauffmann-Ausstellung stattfinden wird, ist es interessant zu erfahren, wie die Ausstellung damals rezipiert wurde. Der Kunsthistoriker Tobias G. Natter erzählt von zahlreichen Presseberichten, auf die man in Bregenz sehr stolz war. Auch deutsche und Schweizer Zeitungen hatten berichtet. Gerne sei etwa aus den „Basler Nachrichten“ zitiert worden, in denen Angelika Kauffmann als Landsmännin der Vorarlberger bezeichnet wurde.

Dass eine derartige Ausstellung mit finanziellem Aufwand verbunden ist, wurde professionell, weitsichtig und von den Veranstaltern auch im Sinne des Bildungsauftrags zur Kenntnis genommen: „Einen materiellen Erfolg haben wir uns nicht erwartet und auch keinen zu verzeichnen – das war auch niemals das Motiv gewesen“, hieß es. Alleiniger Zweck der Ausstellung sei es gewesen, „das Andenken Angelika Kauffmanns in ihrem engeren Heimatlande zu ehren und zu zeigen, dass ihr Name und ihr künstlerischer Ruhm auch bei uns nicht in Vergessenheit geraten sind, sondern weiterleben“. VN-cd