Mit Strahlwirkung bis Nordafrika

Kultur / 12.01.2020 • 20:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Stück über die Vorarlbergerin Therese Zauser (1905-1942) kommt nach Wien, aber auch nach Tunesien oder Ägypten. Mosman
Das Stück über die Vorarlbergerin Therese Zauser (1905-1942) kommt nach Wien, aber auch nach Tunesien oder Ägypten. Mosman

Theatermacherin Brigitte Walk arbeitet in diesem Jahr erneut mit vielen Jugendlichen und plant Gastspiele.

Feldkirch Wer das Auftragswerk „Diebe“ von Dea Loher am Deutschen Theater Berlin gesehen hat, behält das starke Episodendrama von Menschen und Problemen unserer Zeit im Gedächtnis. Doch, lässt es sich mit Schülern umsetzen? Brigitte Walk ist davon überzeugt: „Zu vermitteln, dass gerade Theaterliteratur ganz nah bei den Menschen ist, war mir bei der Wahl des Werkes wichtig.“ Mit der Umsetzung des Textes, der selbstverständlich etwas eingedampft wurde, startet die Vorarlberger Theatermacherin ins neue Jahr. Anfang März findet die Premiere am Bundesgymnasium in Feldkirch statt. Neben den eigenen Probenarbeiten ist sie in jene des Ensembles für unpopuläre Freizeitgestaltung involviert. Stephan Kasimir hat das Stück „Der Herzerlfresser“ des Österreichers Ferdinand Schmalz angekündigt und zieht das Projekt trotz des finanziellen Engpasses, in dem das Unternehmen steckt, durch. Ab 19. Februar steht Brigitte Walk dort mit auf der Bühne.

Gegen die Geringschätzung

Aus gutem Grund wehrt sich Walk dagegen, Projekte mit Schülern bzw. Jugendlichen gleich als Schultheater abzutun bzw. geringzuschätzen. Wer einige der Produktionen ihres Walktanztheaters gesehen hat, die mit jungen Leuten realisiert wurden, konnte sich von der Professionalität und der hohen Qualität solcher Aufführungen überzeugen. Die Arbeit mit Schülern ist ihr wichtig. Deutlich zeige sich das beispielsweise an der Mittelschule Gisingen. „Ich liebe diese Kinder unter anderem, weil sie so direkt sind“, erzählt sie. Konkret handelt es sich um Klassen mit einem hohen Anteil an Schülern mit besonderem Betreuungsbedarf oder solchen ohne deutscher Muttersprache. Gerade durch die Konfrontation mit Theater und Tanztheater hätten die jungen Menschen gelernt, mit komplexen Themen umzugehen, die Dinge zu begreifen oder auch einmal einfach auf sich beruhen zu lassen.

Dass ohne Üben und Lernen nichts geht, werden heuer auch jene Kinder und Jugendlichen erfahren, mit denen sie an der Montessori Schule in Altach arbeitet. „Alice im Wunderland“ wird dort Ende März aufgeführt. Dass Wertigkeiten auch in Frage zu stellen sind, soll den Mitwirkenden bewusst werden. „Man bricht Konventionen auf, wenn man an den Schulen etwas macht“, weiß Brigitte Walk. Auch wenn das sehr viel Mühe kostet, gibt sie nicht auf. Gleichgesinnte gibt es ja, der Theaterkollege Tobias Fend vom Ensemble Café Fuerte zählt ebenso dazu wie der Vorarlberger Autor Amos Postner. Beide unterstützen eine Produktion, die sie gemeinsam mit der Schule Rheindorf in Lustenau realisiert. Dabei werden selbst erlebte Geschichten, die einzelne Menschen verschiedenen Alters aus dem Ort erzählen, in ein Stück verpackt.

Therese Zauser

Abgesehen davon, dass Brigitte Walk auch in einem belgischen Tanzensemble mitwirkt, das seine Produktionen nicht nur vor Ort, sondern auch in Luxemburg, Deutschland und Liechtenstein zeigt, verbringt sie mit ihrem jüngst realisierten Theaterprojekt einige Zeit im Ausland. Das Schicksal der Vorarlberger Tänzerin Therese Zauser (1905-1942) hat sie in dem Projekt „Bin noch in Tanger und darf nicht reisen“ thematisiert. Im Oktober letzten Jahres fand die Uraufführung in Feldkirch statt. Therese Zauser ist als Künstlerin in vielen Ländern, auch in Nordafrika, aufgetreten. Nach einer kritischen Äußerung zum Naziregime wurde sie denunziert, verhaftet und im KZ Ravensbrück ermordet. „Bin noch in Tanger und darf nicht reisen“ wird heuer unter anderem noch in Bregenz, Hittisau, Wien, Bludenz und St. Gallen aufgeführt. Im Zuge der Recherchen über Therese Zauser hatte Walk auch nordafrikanische Länder bereist und nach Spuren der Tänzerin gesucht, die in den 1930er-Jahren dort hohe Wertschätzung erfuhr. Dabei wurden Kontakte zu Kunstvermittlern aufgenommen, die großes Interesse an Gastspielen zeigten, denn über das damals meist von Briten oder Franzosen bestimmte Kulturleben ist in den Ländern selbst wenig dokumentiert. Man ist dabei, diese Themen aufzuarbeiten.

„Mit Schülern arbeiten, ist ernst zu nehmen. Wir machen nicht einfach Schultheater.“