Von der Leichtigkeit des Steins

Kultur / 13.01.2020 • 19:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die großangelegte Installation des Vorarlberger Künstlers Hannes Ludescher umfasst 140 Meerbilder, mehr als 30 Steinskulpturen sowie eine Videoprojektion. ludescher
Die großangelegte Installation des Vorarlberger Künstlers Hannes Ludescher umfasst 140 Meerbilder, mehr als 30 Steinskulpturen sowie eine Videoprojektion. ludescher

Hannes Ludescher lässt Steine fliegen und das Wasser bis zum Horizont reichen.

VADUZ. Darf es ein bisschen Meerluft sein? Und ein Blick in einen Himmel voller Steine? Dann willkommen in der Ausstellung von Hannes Ludescher, der im Kunstraum Engländerbau ein Interieur mit Wolke und Horizont schafft. Die großangelegte Installation des Vorarlberger Künstlers umfasst 140 Meerbilder, als ein den Raum umlaufendes Fries aus Aquarellen, und mehr als 30 gebaute, papierene, von der Erdenschwere befreite, von der Decke schwebende Steine sowie eine Videoprojektion.

Am Wasser, im Wasser

Den Luftraum haben Ludeschers Steine bereits 2017 im Atrium des Vorarlberg Museums mit schwereloser Leichtigkeit und enormer Präsenz bravourös erobert. Nicht nur im Gesamt-Œuvre, auch in der Vaduzer Ausstellung bilden Steine und Wasser die Basis. Oder vielmehr das Aquarell, denn in seinem Bestreben, Malerei und Körperlichkeit in eine Einheit zu überführen, verortet der Künstler auch seine dreidimensionalen Objekte im fluiden Medium der Wasserfarben-Malerei.

Am Meer, auf Sizilien, Sardinien, am Atlantik oder in Griechenland, den Blick nach Süden gerichtet, mit den Füßen im Meer stehend, das Wasser und den Sand spürend, ist Hannes Ludescher beim Malen der Aquarelle wortwörtlich in seinem Element. Zwei Blätter entstehen am Tag, eines am Vormittag, eines am Nachmittag, wie in einer Art Langzeitbelichtung, immer an der gleichen Stelle. Die große Variable innerhalb dieser konstanten Rahmenbedingungen bildet das Meer, das sich mit Licht, Wind und Wellen verwandelt. „Wasser“, so Ludescher, „ist im Gegensatz zur statischen Landschaft dauernde Veränderung.“ Der Blick des Künstlers und damit auch seine Aquarelle enden dort, wo der Horizont beginnt, denn die vollkommene Gerade, die Begrenzungslinie, ist Ludescher in ihrer Perfektion zu suspekt. Auch das Traditionelle, Biedere, das dem Aquarell gemeinhin anhaftet, nimmt er aufs Korn, indem er die Blätter nach der Rückkehr ins heimatliche Atelier mit einem Locheisen und im wahrsten Sinn des Wortes bildhauerisch bearbeitet. Rhythmisch durchschlägt er das Papier, jedes einzelne Blatt, jede einzelne Perforation ein Beweis für die Verletzlichkeit der Papierhaut und zugleich ein Luftloch im Wasser. Luftig bleiben die Arbeiten mit Abstand zur Wand auch in der Hängung.

Papierhäute

Der tiefen Wasserlinie folgend, führt der Weg quasi am Meer entlang hinter eine Stellwand, zu einer Videoprojektion. Auf einen länglichen, weißen Papierstein werden meditativ wirkende Aufnahmen von Steinen, über die Wasser fließt, projiziert. Ebenso wie diese Bilder von unregulierten Bachläufen aus der Umgebung Ludeschers, stammen – abgesehen von einigen Reise-Mitbringseln – auch die meisten Steine aus der Fußheimat des Künstlers. Die Modelle aus der Natur passen meist in eine Hand, orientieren sich also am menschlichen Körper, nehmen dort Maß und finden Maßstäblichkeit. Die aufwendigen Nachbildungen mit der bemalten, licht- und luftdurchlässig perforierten Papierhaut, die sich über eine Konstruktion aus biegsamen Haselruten und Bambusstäben spannt, sind im Maßstab 1:10 gebaut. In der Mitte des weißen Saales von der Decke baumelnd, verdichten sich die 30 Steine, deren Materialschwere sich in der Vergrößerung in papierene Leichtigkeit verkehrt, zu einer dunklen Wolke. Diese hat nichts Bedrohliches, sondern schafft im Gegenteil einen angenehmen Ort zum Verweilen und Sinnieren: Die Objekte bewegen sich durch die Luftzirkulation leise und fast unmerklich. Unbeirrt und unaufgeregt, wie in einem Planetensystem, drehen sie ihre Runden und lassen immer neue Konstellationen entstehen.

Fix ist nur eines: Es gibt in unserer Wahrnehmung keine Felsen in der Brandung.

Die großangelegte Installation des Vorarlberger Künstlers Hannes Ludescher umfasst 140 Meerbilder, mehr als 30 Steinskulpturen sowie eine Videoprojektion.  ludescher
Die großangelegte Installation des Vorarlberger Künstlers Hannes Ludescher umfasst 140 Meerbilder, mehr als 30 Steinskulpturen sowie eine Videoprojektion. ludescher

Zur Person

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Eröffnung heute, 14. Jänner, 19 Uhr im Kunstraum Engländerbau, Städtle 37, Vaduz. Zu sehen bis 8. März, täglich von 13 bis 17 Uhr: www.kunstraum.li