Drei Uraufführungen, Handke und ein neues Kosmos-Atelier

Kultur / 15.01.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im ehemaligen Wolllädele, das direkt an das Theater angrenzt, soll mit dem Kosmos-Atelier eine neuer künstlerischer Raum entstehen. VN/PAULITSCH

Theater Kosmos zieht Bilanz und blickt mit vielversprechenden Stücken nach vorne.

Tanja Schwendinger

Bregenz Mit Freude blickt das Theater Kosmos auf die vergangene Saison zurück. Bei 124 Veranstaltungen konnten 11.317 Besucher verzeichnet werden. Die durchschnittliche Auslastung der vier Produktionen lag bei 95 Prozent. Stand das letzte Jahr unter dem Titel „Wie gefällt euch unsere Zeit?“, wird heuer der Fokus auf die Fragestellung „Was ist ein gutes Leben?“ gerichtet, informieren die Kosmos-Leiter Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg. Bei vier Theaterproduktionen stehen drei Uraufführungen auf dem Programm. Die Fragen nach persönlichen Notwendigkeiten und Bedürfnissen, bis hin zu politischen Zuständen und Umbrüchen werden die Produktionen und das Rahmenprogramm durch das ganze Jahr begleiten.

Raum für junge Künstler

Das Theater Kosmos will sich im neuen Jahr auch erweitern. Im ehemaligen Wolllädele, das direkt an das Theater angrenzt, soll mit dem Kosmos-Atelier eine neuer künstlerischer Raum entstehen. „Jungen Künstlern soll die Möglichkeit geboten werden, zu arbeiten und ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Hubert Dragaschnig. Während der Vorarlberger Künstler Lorenz Helfer im oberen Bereich sein Atelier einrichten und Ausstellungen realisieren wird, soll der Raum im Erdgeschoß von Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen bespielt werden.

Den neuen Spielplan eröffnet die Uraufführung „Warten auf Tränengas“ der mehrfach ausgezeichneten Theatermacher Bernhard Studlar und Andreas Sauter. Mit einem kleinen Cast will das Duo in dem Stück unter der Regie von Hubert Dragaschnig das komplexe Spannungsgeflecht eines gesellschaftlichen Umbruchs skizzieren. Mit „Wunschloses Unglück“ kommt im Frühjahr eine der bekanntesten Erzählungen von Peter Handke zur Aufführung. Grundlage bildet die Bühnenfassung von Reinhard Urbach und Klaus Höring. „Die Literaturnobelpreisvergabe nehmen wir zum Anlass, diesem tollen Autor eine Produktion zu widmen. Außerdem passt der Text ideal in das Jahresthema“, sagt Regisseur Augustin Jagg. Handke erzählt in „Wunschloses Unglück“ vom Leben seiner Mutter in Unterkärnten in der Vor-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Geplant ist außerdem ein Gesprächsabend zum Jugoslawien-Krieg und die umstrittene Haltung von Peter Handke. 

In Kooperation mit dem Schauspielhaus Wien wird im September das Stück „Live and let die“ uraufgeführt. Der deutsche Regisseur und Absolvent des Reinhardt-Seminars, Simon Dworaczek, wird sich in dem Stück mit zwei Schauspielerinnen und einem Musiker mit den Umbrüchen in der Welt beschäftigen.

Mit „Limbus“ von Florentina Hofbauer gelangt im November das Siegerstück des Kosmodrom-Wettbewerbs „Wer Gewalt sät“ zur Uraufführung. Aufgrund des Erfolgs im vergangenen Jahr sind auch 2020 junge Autoren eingeladen, unter dem Titel „Life in 2050“ einen dramaturgischen Blick in die Zukunft zu werfen. Auch die Gastspiele im Rahmen der Theater-Allianz werden fortgesetzt.

„Finanziell angespannte Lage“

Dragaschnig und Jagg sprechen von einer finanziell angespannten Lage des Theater Kosmos. „Seit längerer Zeit haben wir keine Subventionserhöhung bekommen.“ Aufgrund der erfreulichen Besucherzahlen habe man das Jahr aber gut meistern können. Durch das neue Kosmos-Atelier erhoffe man sich außerdem, dass sich eine Szene junger Künstler entwickle.

Spielplan 2020

-“ Warten auf Tränengas“ von Bernhard Studlar und Andreas Sauter, Uraufführung am 20. Februar

– „Wunschloses Unglück“ von Peter Handke, April 2020

– „Live and let die“ (Arbeitstitel) von Simon Dworaczek, Uraufführung, September 2020

– „Limbus“ von Florentina Margarita Hofbauer, Uraufführung, November 2020