Zeit der Umbrüche

Kultur / 15.01.2020 • 18:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Theater Kosmos startet mit drei Uraufführungen, Handke und neuem Atelier ins Jahr 2020.

Bregenz Mit Freude blickt das Theater Kosmos auf die vergangene Saison zurück. Bei 124 Veranstaltungen konnten 11.317 Besucher verzeichnet werden. Die durchschnittliche Auslastung der vier Produktionen lag bei 95 Prozent. Stand das letzte Jahr unter dem Titel „Wie gefällt euch unsere Zeit?“, wird heuer der Fokus auf die Fragestellung „Was ist ein gutes Leben?“ gerichtet, informieren die Kosmos-Leiter Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg. Von vier Theaterproduktionen stehen drei Uraufführungen auf dem Programm. Die Fragen nach persönlichen Notwendigkeiten und Bedürfnissen, bis hin zu politischen Zuständen und Umbrüchen werden die Produktionen und das Rahmenprogramm durch das ganze Jahr begleiten.

Neues Atelier

Das Theater Kosmos will sich im neuen Jahr auch erweitern. Im ehemaligen Wolllädele, das direkt an das Theater angrenzt, soll mit dem Kosmos-Atelier eine neuer künstlerischer Raum entstehen. „Jungen Künstlern soll die Möglichkeit geboten werden zu arbeiten und ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Hubert Dragaschnig. Während der Vorarlberger Künstler Lorenz Helfer im oberen Bereich sein Atelier einrichten und Ausstellungen realisieren wird, soll der Raum im Erdgeschoß von Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen bespielt werden. Den neuen Spielplan eröffnet die Uraufführung „Warten auf Tränengas“ der mehrfach ausgezeichneten Theatermacher Bernhard Studlar und Andreas Sauter. Mit einem kleinen Cast will das Duo in dem Stück unter der Regie von Hubert Dragaschnig das komplexe Spannungsgeflecht eines gesellschaftlichen Umbruchs skizzieren. Mit „Wunschloses Unglück“ kommt im Frühjahr eine der bekanntesten Erzählungen von Peter Handke zur Aufführung. Grundlage bildet die Bühnenfassung von Reinhard Urbach und Klaus Höring. „Die Literaturnobelpreisvergabe nehmen wir zum Anlass, diesem tollen Autor eine Produktion zu widmen. Außerdem passt der Text ideal in das Jahresthema“, sagt Regisseur Augustin Jagg. Handke erzählt in „Wunschloses Unglück“ vom Leben seiner Mutter in Unterkärnten in der Vor-, Kriegs- und Nachkriegszeit. Geplant ist außerdem ein Gesprächsabend zum Jugoslawien-Krieg und die umstrittene Haltung von Peter Handke. 

In Kooperation mit dem Schauspielhaus Wien wird im September das Stück „Live and let die“ uraufgeführt. Der deutsche Regisseur und Absolvent des Reinhardt-Seminars, Simon Dworaczek, wird sich in dem Stück mit zwei Schauspielerinnen und einem Musiker mit den Umbrüchen in der Welt beschäftigen.

Mit „Limbus“ von Florentina Hofbauer gelangt im November das Siegerstück des Kosmodrom-Wettbewerbs „Wer Gewalt sät“ zur Uraufführung. Aufgrund des Erfolgs im vergangenen Jahr sind heuer junge Autoren unter 30 eingeladen unter dem Titel „Life in 2050“ einen dramaturgischen Blick in die Zukunft zu werfen. Auch die Gastspiele im Rahmen der Theater-Allianz werden fortgesetzt.

„Finanziell angespannte Lage“

Dragaschnig und Jagg sprechen von einer „finanziell angespannten Lage“ des Theater Kosmos. „Seit längerer Zeit haben wir keine Subventionserhöhung bekommen.“ Aufgrund der erfreulichen Besucherzahlen habe man das Jahr aber „trotzdem gut meistern“ können. Durch das neue Kosmos-Atelier erhoffe man sich außerdem, dass sich eine Szene junger Künstler entwickle. VN-TAS

„Die Nobelpreisvergabe nehmen wir zum Anlass, Handke eine Produktion zu widmen.“

Spielplan 2020

Warten auf Tränengas von Bernhard Studlar und Andreas Sauter, Uraufführung am 20. Februar

Wunschloses Unglück von Peter Handke, April 2020

Live and let die (Arbeitstitel) von Simon Dworaczek, Uraufführung, September 2020

Limbus von Florentina Margarita Hofbauer, Uraufführung, November 2020