Brigantium war einst Einkaufsparadies

Kultur / 17.01.2020 • 19:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nicht nur Tonwaren, auch Glasgefäße waren in Brigantium begehrt. VN/KH
Nicht nur Tonwaren, auch Glasgefäße waren in Brigantium begehrt. VN/KH

Vorarlberg Museum hat seine Römerausstellung neu gestaltet und berichtet von einem Forum wie ein Fußballfeld.

Bregenz Auf jene Fischsauce, die man über die römischen Handelswege auch in die Bodenseeregion lieferte und die den Speisen Würze verlieh, dürfte man heutzutage wohl kaum noch scharf sein, der Wein entsprach wohl auch nicht dem, was man sich mittlerweile unter einem gekelterten Rebensaft vorstellt, aber Gerhard Grabher, Archäologe und stellvertretender Direktor, will im Vorarlberg Museum am 19. Jänner ab 17 Uhr immerhin einen römischen Trank kredenzen. Er soll die Programmpunkte eines Römer-Tages beschließen, mit denen das Unternehmen die Neugestaltung der Brigantium-Ausstellung feiert. Mit dem Titel „Weltstadt oder so?“ will man nach der Schau „Römer oder so?“ erneut darauf hinweisen, dass nicht alles absolut gesichert ist, was man in den letzten Jahrzehnten über die Römer in dieser Region predigte. Funde, so schön sie auch sind, lassen oft keine eindeutigen Schlüsse zu. So kann man beispielsweise auch nicht sagen, wie die Bronzestatue denn aussah, von der es noch eine Hand mit Füllhorn gibt, die zu den berühmtesten Zeugnissen aus der Römerzeit in Bregenz zählt.

Flügel der Siegesgöttin

Zu einer Darstellung hat man sich nun dennoch verstiegen, jedenfalls stößt der Besucher im Vorarlberg Museum auf die Skizze einer stattlichen weiblichen Figur mit entsprechender Armhaltung. Zweifler weichen hingegen nicht von der Meinung ab, dass die Hand auch zu einem Jüngling gehört haben könnte. Mittlerweile ist noch ein gut erhaltener Flügel von einer Statue der Siegesgöttin Victoria hinzugekommen. Der Typus Vittoria Alata di Veleia war damals weit verbreitet. Ebenfalls der Einschmelzung entkommen ist ein nicht vor allzu langer Zeit ausgebuddelter Pferdehuf. Er befindet sich in einer Wanderausstellung über Römersiedlungen im gesamten Bodenseeraum und zeugt davon, dass sich auch am Forum von Brigantium eine Reiterstatue befand, mit der verdeutlicht werden wollte, wer denn der Herrscher in Rom ist. Ging es um die Repräsentation, wurden offenbar keine Mühen gescheut.

Acht Meter hohe Säulen

Das gilt auch für das besagte Forum, das die Maße eines Fußballfeldes hatte und von etwa acht Meter hohen Säulen begrenzt war. Nach jüngsten Ausgrabungen am Ölrain könne man, so Grabher, mit 90-prozentiger Sicherheit davon sprechen, dass Brigantium dieses Zentrum, eben ein solches Forum mit einer dreischiffigen Versammlungshalle, einem Tempel und einem überdachten Gang hatte. Ein aus Fäden gestaltetes Wandbild soll eine Vorstellung davon ermöglichen, wo man sich in Brigantium traf, um sich auszutauschen, aber auch, um Waren anzubieten und sie zu erwerben. Ein wahres Einkaufsparadies muss die Siedlung oder eben die Stadt am Bodensee gewesen sein. Das suggeriert auch die informativ-unterhaltsame oder gar spielerisch von Kuratorin Lisa Noggler gestaltete Ausstellung, die sich in erster Linie wohl an ein junges Publikum bzw. an Familien und Schulen richtet. Nicht zufällig erwähnte Direktor Andreas Rudigier, dass sich das Vorarlberg Museum seit jeher auch als Erweiterung von Unterrichtsplattformen versteht. Neben der erwähnten Fischsauce gab es landwirtschaftliche Erzeugnisse in reichlichem Ausmaß zu erwerben. Exotisches aus dem Mittelmeerraum, Geschmeide, Töpferwaren oder gar Austern aus dem Nordatlantik zählten zum Handelsgut. Abgesehen davon gab auch der Boden rund um den Bodensee einiges her. Werkzeug oder filigranes Schmuckwerk zeugten von handwerklichen Fertigkeiten und in römischen Badeanlagen führte man bekanntermaßen auch kleine Eingriffe durch, für die fein gearbeitete Gerätschaften gebraucht wurden, während man die kostbaren Tinkturen in winzigen Gläschen aufbewahrte.

Wie groß war denn nun aber die Stadt? Und wie dicht war sie denn besiedelt? Ausgrabungen lassen auf eine Besiedelung am und rund um den heutigen Ölrain schließen. Abgeleitet von den Gräberfunden spricht Grabher von 300 bis höchstens 1000 Einwohnern. Andere Archäologen legen die Zahl etwas höher an. Aber etwa im 3. Jahrhundert war es mit der Blütezeit ohnehin vorbei. Die Menschen verließen die Region um das Forum und begannen die Oberstadt zu besiedeln.

So in etwa dürfte das römische Forum in Brigantium ausgesehen haben und die Hand mit dem Füllhorn (rechts und unten) gehörte zu einer großen Statue. VLM/Kuzmanovic
So in etwa dürfte das römische Forum in Brigantium ausgesehen haben und die Hand mit dem Füllhorn (rechts und unten) gehörte zu einer großen Statue. VLM/Kuzmanovic

Am 19. Jänner findet im Vorarlberg Museum in Bregenz von 10 bis 17 Uhr ein Römertag mit zahlreichen Führungen, Vorträgen und Attraktionen statt.