Ein durchaus gut verzerrtes Österreich-Bild

Kultur / 17.01.2020 • 21:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Bühnenfassung des Romans „Schwere Knochen“ des österreichischen Autors David Schalko wurde vom Volkstheater im Museumsquartier uraufgeführt. APA
Die Bühnenfassung des Romans „Schwere Knochen“ des österreichischen Autors David Schalko wurde vom Volkstheater im Museumsquartier uraufgeführt. APA

Wiener Volkstheater stellt David Schalkos Verbrecher-Roman „Schwere Knochen“ auf die Bühne.

Wien Das ging aber schnell und das Tempo ist wohl dem Schauplatz geschuldet. „Schwere Knochen“ wurde vor nicht einmal zwei Jahren als vierter Roman des österreichischen Regisseurs und Schriftstellers David Schalko im Rahmen einer Lesung durch Nicholas Ofczarek im Akademietheater präsentiert, nun spielt Thomas Frank diesen Ferdinand Krutzler, der per mehrfach exakt gesetztem Halsstich weniger zum Mörder als zum Notwehrspezialisten avancierte. Er bildet den Kopf einer Verbrechergruppe, die auch die österreichische Geschichte repräsentiert, denn die nahezu 600 Seiten lange Handlung führt zurück in die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, offenbart weiters die Hierarchien im KZ und schließlich die Mechanismen einer Art Freundschaft in der Nachkriegszeit, die weiterhin von Neurosen geprägt sind. Deren Ursprung hat Schalko nur angedeutet und es spricht für die Bühnenfassung von Anita Augustin und die Inszenierung von Alexander Charim, dass man das in der knapp dreistündigen Aufführung auch so belässt, die das Wiener Volkstheater nun im Ausweichquartier, der Halle E im Museumsquartier, als durchaus gut verzerrtes Österreich-Bild zeigt.

Dann man tritt weder in die Betroffenheitsfalle, noch wird das Auslösen von Entmenschlichung und Unmoral konkret benannt. Dass Charim Gewaltverherrlichung trotz des rasselnden Kettenvorhangs und der ab und zu sehr lauten Musik nicht unterkommt, versteht sich von selbst. Es sind keine Verbrecher mit weichem Kern, die uns da begegnen, nicht einmal die gerne einmal gut vermarktbar eingefärbte Wiener Unterwelt wird dem Publikum vorgehalten, es ist nichts kulinarisch an dieser Produktion und das ermöglicht es, sich auch dieser Art weitgehend packend mit zentralen Fragen des Menschseins auseinanderzusetzen.

Weitere Aufführungen des Stücks  „Schwere Knochen“ finden vom 18. bis 29. Jänner im Wiener Museumsquartier statt. www.volkstheater.at