Eine furchtlose Frau

Kultur / 17.01.2020 • 18:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nellie Bly recherchierte bevorzugt undercover.

Biografie Elizabeth Cochran (1864-1922) war eine ungewöhnliche Frau, selbstbewusst, klug, mutig und emanzipiert. Unter dem Namen Nellie Bly wurde sie zu einer der herausragenden Journalistinnen der USA. Ihr Leben und ihre Bedeutung für den Journalismus waren fast vergessen. Der in Rom lebende Autor und Radiomoderator Nicola Attadio wollte sich damit nicht abfinden. Er hat die lesenswerte „Biografie einer furchtlosen Frau und Undercover-Journalistin“ über sie geschrieben, die gleichzeitig viel über die Geschichte der US-Medien erzählt und darüber, wie schwer es Frauen hatten, sich in einer Welt zu behaupten, von der Männer noch glaubten, sie gehöre allein ihnen. Elizabeth Cochran beeindruckte mit einem Leserbrief an den „Pittsburgh Dispatch“ den Chefredakteur so sehr, dass er ihr das Angebot machte, für die Zeitung zu schreiben. Schon bald bekam sie eine feste Stelle und als Reporterin den Namen Nellie Bly.

Sie schrieb undercover recherchierte Geschichten, Kolumnen und eine Reportagereihe über ihre fünfmonatige Reise durch Mexiko. Mit der Hartnäckigkeit, die typisch für sie war, überzeugte sie den Chefredakteur der „World“, sich in die Irrenanstalt auf Blackwell‘s Island einweisen zu lassen und eine Reportage für seine Zeitung zu schreiben. Es wurde ein packender Bericht über die erbärmlichen Zustände in der Klinik für 1600 psychisch kranke Frauen. Danach recherchierte sie bald wieder als Kellnerin, Invalidin oder Prostituierte. Sie scheute keine heikle Themen wie Korruption und machte von sich reden mit ihrer Idee, um den Globus zu reisen. Sie war im Jemen und in Malaysia, in Hongkong und in Japan. 1895 heiratete sie einen Stahlunternehmer. Als er 1904 starb, erbte sie den Betrieb mit 1500 Beschäftigten, der allerdings durch Bilanzfälschungen krimineller Mitarbeiter ruiniert wurde. Und so fand sie zurück zum Journalismus. Im Herbst 1914 gehörte sie zu den nur vier Journalisten, die eine Akkreditierung für die Berichterstattung an der Ostfront hatten. Und auch hier beeindruckte sie als Frau, die berichtete, was ihr wichtig war.

„Nellie Bly“, Nicola Attadio, Verlag Orell Füssli, 214

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