Fast nur Männer und hoch über der Krone auch nackte Tatsachen

Kultur / 17.01.2020 • 19:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Besuch Kaiser Franz Josephs I. am Bregenzer Kornmarktplatz im Jahr 1909 mit dem alten Landesmuseum im Hintergrund. Vorarlberger Privatsammlung, Repro: Sabo
Besuch Kaiser Franz Josephs I. am Bregenzer Kornmarktplatz im Jahr 1909 mit dem alten Landesmuseum im Hintergrund. Vorarlberger Privatsammlung, Repro: Sabo

Dokumente vom letzten Kaiser-Besuch in der Landeshauptstadt haben viel zu erzählen.

Bregenz Tausende haben die Straßen gesäumt, Chronisten schreiben von an sich eher unwahrscheinlichen 60.000 Menschen, die im August des Jahres 1909 nach Bregenz strömten, um einen Blick auf eine Person zu erhaschen, nämlich auf Kaiser Franz Joseph. Dieser unternahm einen seiner seltenen Besuche in Vorarlberg, um dem Fest zum 100-Jahr-Jubiläum des Aufstandes gegen die Bayern beizuwohnen. Nicht nur die Tiroler, auch die Vorarlberger hatten sich gegen die bayerische Herrschaft erhoben, die Verwaltungsreformen vollzog. Der Aufstand hatte vorerst zu nichts geführt, erst 1814 kam Vorarlberg wieder zu Österreich, gefeiert wurde trotzdem. Dazu wurde ein großer Festumzug mit Hunderten Schützen und zahlreichen Blasmusikkapellen veranstaltet, der über den Kornmarktplatz führte. Dort wurde eigens vor dem Portal des damals erst seit wenigen Jahren bestehenden Landesmuseums ein Pavillon errichtet. Das Foto aus einer Vorarlberger Privatsammlung ist auch deshalb etwas Besonderes, weil es, wie der Kunsthistoriker Tobias G. Natter festhält, nahezu einen halben Meter breit ist und wohl als Erinnerungsstück aufbewahrt wurde. Im Stadtarchiv befindet sich ein ähnliches, auf dem der Monarch eine andere Körperhaltung einnimmt. Hier entbietet er den Vorbeiziehenden einen Gruß.

Auf der Ehrentribüne neben dem Pavillon hatten Honoratioren Platz genommen. Dass es nahezu ausschließlich Männer sind, entspricht dem damaligen Rollenbild. Im öffentlichen Leben hatten Frauen, so sie keine höhergestellten Persönlichkeiten waren, nichts verloren.

Interessant ist die Ausschmückung des Pavillons mit einem der Kaiserkrone nachempfundenenen Gebinde und einigen Elementen des Jugendstils, der damals gerade modern war. Gut zu sehen ist auch die historische Fassade des ersten Landesmuseumsgebäudes mit seinem prägnanten Giebel. Den Abschluss dieses Giebels bildete übrigens ein antiker Jüngling, ob dessen Nacktheit es Auseinandersetzungen in der Bevölkerung gab, obwohl diese von Passanten wohl kaum zu erkennen war. Nach dem Neubau des Museums soll die Figur eine recht profane Funktion gehabt haben, nämlich als schmückendes Beiwerk im Strandbad. VN-cd