Immer mit einem Ohr bei der Melodieführung

Kultur / 17.01.2020 • 18:24 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Seit 1993 ist Monika Schuhmayer Mitglied im Symphonieorchester Vorarlberg, seit 2002 als Konzertmeisterin. A. Kowalsky
Seit 1993 ist Monika Schuhmayer Mitglied im Symphonieorchester Vorarlberg, seit 2002 als Konzertmeisterin. A. Kowalsky

Monika Schuhmayer ist Geigerin und dabei auch Konzertmeisterin beim Symphonieorchester Vorarlberg.

Bregenz, Wien Monika Schuhmayer, geb. 1975 in Dornbirn, begann mit sechs Jahren mit dem Geigenspiel und war Studentin von Prof. Baldini am Landeskonservatorium Feldkirch. Das Konzertfachstudium an der Musikuniversität Wien schloss sie 2000 mit einstimmiger Auszeichnung ab; für ihren herausragenden Studienerfolg in sechs statt acht Jahren wurde sie mit dem Würdigungspreis des Kulturministeriums ausgezeichnet. Mehrfache erste und andere Preise beim Landes- und Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“, beim Wettbewerb „Gradus ad Parnassum“ und beim Stefanie-Hohl-Wettbewerb begleiteten ihre Laufbahn. Seit 1995 ist sie Primaria des Ars-Mundi-Quartetts, mit dem sie u. a. in Österreich, Deutschland und Japan konzertierte. 1998 trat sie mit dem Haydn-Trio beim Carinthischen Sommer auf. Seit 1993 ist Monika Schuhmayer Mitglied im Symphonieorchester Vorarlberg, seit 2002 als Konzertmeisterin. Von 1997–2014 spielte sie in der Wiener Kammerphilharmonie, ab 2002 ebenfalls als Konzertmeisterin, seit 1997 im Österreichischen Frauenkammerorchester. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien.

 

Wie sind Sie zur Geige gekommen?

Schuhmayer Die erste Verliebtheit in ein Streichinstrument ergab sich bei einem Auftritt des Musikclowns Beatocello im Funkhaus, das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Tom Pegram, bei dem ich musikalische Früherziehung machte, hat meine Mama dann darauf aufmerksam gemacht, dass ich ein ausnehmend gutes Gehör hätte, und angeregt, dass eine seiner Geigenschülerinnen mir vorspielt. Ich habe gesagt: „Mama, genau das möchte ich machen.“

 

Welche Rolle spielt die Geige im Orchester?

Schuhmayer Die ersten Geigen sind, wie der Name schon sagt, meistens melodieführend und wegen der höheren Lage eher virtuos. Der Konzertmeister als Vermittler zwischen Dirigent und Tuttisten sitzt in der ersten Geige. Die zweiten Geigen spielen oft in der Oktav zur ersten und unterstützen die Melodieführung in tieferer Tonlage. Oft sind sie einfach begleitend, mit Sechzehntel- und Triolenfiguren und Ähnlichem. Sie geben einen Grundpuls, müssen aber flexibel sein, immer mit einem Ohr bei der Melodieführung und als Mittelstimme auch in Harmonie mit dem Bass und den Bratschen, damit es kompakt klingt.

 

Sie agieren sowohl als Konzertmeisterin als auch als Stimmführerin der zweiten Geigen, was Konzertmeister normalerweise nicht machen und was vom Orchester sehr geschätzt wird. Was lockt Sie an beiden Aufgaben?

Schuhmayer Genau das: die verschiedenen Qualitätsmerkmale, die gefordert sind. Konzertmeister ist völlig anders als Stimmführer. Die meisten Konzertmeister empfinden es als unter ihrer Würde, bei den zweiten Geigen zu spielen. Ich habe mit achtzehn als Küken beim SOV in der letzten Reihe der zweiten Geigen begonnen. Die Achtsamkeit der Umgebung gegenüber ist für Musiker an jedem Platz im Orchester gefordert. Von daher ist jede Position gleich wichtig. Ich fühle mich in der zweiten Geige genauso wohl, da sie wegen der tieferen Lage oft einen sehr warmen Klang hat.

 

Haben Sie nie an eine Solistenkarriere gedacht?

Schuhmayer Nein. Ich wollte immer eine eigene Familie. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, als Solistin mit dieser gewissen Einsamkeit durch die Welt zu tingeln, von Hotel zu Hotel. Zudem habe ich schon in frühen Jahren im Jugendsinfonieorchester Dornbirn unter Guntram Simma die Liebe zum Orchesterspiel entdeckt, wo ich auch die Grundlagen des Orchesterspiels erlernen durfte.

 

Wie sieht Ihre Arbeit mit dem Ars-Mundi-Quartett aus?

Schuhmayer Wir waren ursprünglich ein Studentenquartett, das aus gemeinsamem Interesse an der Quartettliteratur entstanden ist, beim Unterricht bei Erich Höbarth und Johannes Meissl. Wir wurden als Vertreter der Universität Wien nach Kyoto geschickt, das war die Initialzündung zur Gründung. Seit ca. zehn Jahren spielen wir in etwas anderer Zusammenstellung wieder Konzerte auf Schiffen mit englischsprachigen Touristen, die an der Wiener Reichsbrücke anlegen, die klassische Quartettliteratur.

Beim nächsten SOV-Konzert sind Sie Konzertmeisterin. Auf welches Werk freuen Sie sich besonders?

Schuhmayer Ich freue mich auf alle Werke gleichermaßen. Aber Mozart liebe ich besonders. Diese Genialität, dass die Musik leicht klingt, obwohl sie sehr schwer zu spielen ist, fasziniert mich. Es verlangt unglaubliche Disziplin und Arbeit bis ins Detail, damit es so klingt. Mich fesselt an der Musik, was zwischen den Zeilen steht und was dann emotional passiert, auch beim Zuhörer. Mein Ziel ist, dass die Musik einen berührt.

 

Sie sind mit dem Geiger Peter Schuhmayer, dem Primarius des Artis-Quartetts, verheiratet. Wie kann man sich Ihr Zuhause vorstellen?

Schuhmayer Es wird viel musiziert. Ich empfinde es als großes Geschenk, einen Menschen neben mir zu haben, mit dem es blindes Verständnis für die Befindlichkeit des anderen gibt. Der Alltag eines Musikers sieht anders aus als der Alltag anderer Menschen, ein großer Teil der Arbeit findet zu Hause statt. Es braucht sehr viel Toleranz und Freiräume für Probezeiten, für Rückzug, auch für Erholung vor Konzerten. Es liegt sehr viel Fokus auf etwas anderem als der Familie.

 

Was ist das Besondere am SOV?

Schuhmayer Es ist ein Stück Heimat, eine Art Familie in der Musik, mit freundschaftlichen Schwingungen – und das alles seit siebenundzwanzig Jahren.

„Ich kann mir nicht vorstellen, als Solistin mit dieser Einsamkeit durch die Welt zu tingeln.“

Termine: 18., 19. und 20. Jänner Konzertmeisterin beim SOV in Feldkirch, Bregenz und Lustenau; 5. April, Feldkirch, Konzertmeisterin, c-moll-Messe unter Benjamin Lack.