Wiederum mehr Besucher

Kultur / 20.01.2020 • 21:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Sonderausstellung

Die Sonderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft“ mit Zeugnissen von Überlebenden der NS-Herrschaft läuft noch bis 13. April im Jüdischen Museum Hohenems. JMH/Walser

Jüdisches Museum verzeichnet 19.000 Eintritte und widmet sich europäischen Geschichten.

Hohenems Wer sich mit den Mechanismen der Demokratie und ihrer Gefährdung beschäftigt, stößt wohl unweigerlich auf die aufschlussreichen Schriften von Moritz Bonn (1873-1965), dem deutschen Nationalökonomen, dessen Vorfahren in Hohenems und zuvor in Sulz ansässig waren. Sie führten unter anderem den Familiennamen Brunner und zählten zu jenen, die dann im 19. Jahrhundert in Triest unter anderem einen Baumwollhandel begründeten. Nachdem sich sein Großvater nicht mehr nur in Triest, sondern in St. Gallen oder auch in Hohenems aufhielt, verbrachte auch besagter Bonn als Jugendlicher immer wieder Ferienwochen in Vorarlberg.

Wie es der Familie Brunner in der großen Stadt an der Adria, die einmal zu Österreich gehörte, mit ihrer wechselvollen Geschichte erging und welche Leistungen einzelne Familienmitglieder als Unternehmer, Gründer von Versicherungen oder als Bankiers erbrachten, wird nun in der kommenden Sonderausstellung im Jüdischen Museum in Hohenems thematisiert. Dabei wird auch der europäischen Dimension der Familiengeschichte Rechnung getragen. Direktor Hanno Loewy hat einen umfangreichen Nachlass mit zahlreichen Dokumenten und Erinnerungsstücken erhalten, der in den letzten Monaten aufgearbeitet wurde und auch im Rahmen der künftigen Hochschulwochen thematisiert wird.

Brunner-Haus existiert nicht mehr

Mitglieder der Familie Brunner waren übrigens auch aktiv an der Organisation der letzten Nachkommentreffen in Hohenems beteiligt. Auch die Geschichte des einstigen Wohnhauses ist interessant. Es entging, wie Direktor Hanno Loewy im Gespräch mit den VN ausführt, der Arisierung bzw. der Enteignung, weil es mit komplizierten Verträgen vermietet war. Die Nazis hatten es jedoch beschlagnahmt. Das Gebäude unweit der ehemaligen Synagoge wurde später durch mehrere Brände in Mitleidenschaft gezogen und vor wenigen Jahren schließlich abgerissen.

Besucherzuwachs

Das vergangene Jahr kann Hanno Loewy als eines der „stärksten in der Geschichte des Hauses“ bezeichnen. Insgesamt wurden rund 19.000 Besucher gezählt, was wiederum eine Steigerung bedeutet. Mit den hier entwickelten Ausstellungsprojekten ist das Jüdische Museum nach wie vor in verschiedenen Ländern präsent. „Sag Schibbolet!“, eine differenzierte Thematisierung von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen mit zahlreichen künstlerischen Arbeiten läuft noch bis 23. Februar im Jüdischen Museum in München. Nach einer längeren Aus- und Umbauphase wird das Jüdische Museum in Frankfurt mit der in Hohenems erarbeiteten Ausstellung „Die weibliche Seite Gottes“ eröffnet, die verdrängte Überlieferungen alternativer Vorstellungen des Göttlichen behandelt.

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wird am 26. Jänner am Dornbirner Spielboden der mehr als neunstündige Dokumentarfilm „Shoah“ von Claude Lanzmann gezeigt. Er enthält kein historisches Archivmaterial, Lanzmann setzte in erster Linie auf die Begegnung mit Zeitzeugen. VN-cd

Die Ausstellung zum Brunner-Nachlass wird Anfang Mai im Jüdischen Museum in Hohenems eröffnet. Film „Shoah“ am 26. Jänner, ab 10.30 Uhr am Dornbirner Spielboden.