Oswald Oberhuber, eine Hommage

Kultur / 21.01.2020 • 21:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Letzte Woche verstarb der österreichische Künstler Oswald Oberhuber. Der Tod Oswald Oberhubers macht mich traurig. Er war einer, der für mich so wichtigen Künstler und Persönlichkeiten, denen ich meine Begeisterung für die Kunst verdanke. Vor vielen Jahren führte er mich durch seine große Ausstellung im damaligen 20er Haus. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde .

O.o. war ein Künstler, der Kunst und Leben zu vereinen versuchte, ein Universalist, Bildhauer, Maler, Professor , Kunsttheoretiker, -vermittler, Ausstellungsmacher und Poet.

Er nahm unterschiedlichste Rollen im Kunstsystem vom Künstler über den Galeristen bis hin zum Universitätsrektor ein. Oberhuber lebte das Prinzip der Veränderung als Mensch und Künstler konsequent, erfand sich immer wieder von neuem. Oberhubers Werk kennzeichnet eine Haltung der permanenten Skepsis gegenüber der Vereinnahmung durch Stil, künstlerische Markenbildung und Markt, ein Aufbegehren gegen Kategorisierungen und programmatische Fixierungen , eine geradezu altmodische und in Zeiten politisch korrekter Bravheit und politischer Verengung der Kunst revolutionäre Haltung.

Als ein Künstler, der sich weder formal noch inhaltlich festmachen beziehungsweise leichtfertig einordnen lässt, beschrieb er sein Prinzip der permanenten Veränderung mit den Worten „Man sollte keinen Stil entwickeln, eigentlich soll jedes Bild neu sein. Du bekommst irgendwann eine Routine und weißt, wie es wird. Sobald ich die gespürt habe, ist mir langweilig geworden“.

Die Welt neu entdecken

Ein kleiner Hinweis noch zu seinen Erfolgen sei mir gestattet: 1972 war Oberhuber der österreichische Vertreter auf der Biennale von Venedig. 1964/65 war er künstlerischer Berater der Galerie nächst St. Stephan, die er 1973 von Otto Mauer übernahm und bis 1978 leitete. Oberhuber nahm 1977 an der documenta 6 und 1982 an der documenta 7 teil. 1973 wurde er zum Professor an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien berufen, der er bis zu seiner Emeritierung 1998 angehörte. Von 1979 bis 1987 und von 1991 bis 1995, leitete er als Rektor die Hochschule. Oberhuber stellte mit Objektmöbel, Entwürfe, Zeichnungen (1989) und Malerei(1992) zwei Mal in der Galerie Vorsetzen aus.

Oswald Oberhuber hat mit seinem wunderbaren Werk und seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit dafür gesorgt, dass es uns nicht langweilig wurde . Er gab uns die Chance , die Welt neu zu entdecken und teilzuhaben an der Zirkulation von Ideen, Formen und letztlich Lebensentwürfen. Mehr kann ein Künstler uns nicht geben.

Oberhubers Werk kennzeichnet eine Haltung der permanenten Skepsis gegenüber der Vereinnahmung durch Stil, künstlerische Markenbildung und Markt.

Gerald Matt

gerald.matt@vn.at

Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.