Tolle Kellerkünstler

Kultur / 21.01.2020 • 21:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arbeit von Katja Berger.

Arbeit von Katja Berger.

14 neue Mitglieder der Berufsvereinigung treiben es bunt.

BREGENZ Von einigen hat man schon (viel) gehört oder gesehen, von anderen wenig bis nichts, sie zeichnen, fotografieren, malen, modellieren, bildhauern und installieren, und sie sind 14 an der Zahl – die neuen Mitglieder der Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs: Linus Barta, Sarah Bechter, Katja Berger, Bildstein/Glatz, Tim Hartmann, Bruno Klomfar, Ulli Knall, Peter Lederer, GH Lischka, Bruno Richard, Gernot Riedmann, Ruth Schnell, Tobias Maximilian Schnell und Lothar Sonnweber. Im Keller des Künstlerhauses Palais Thurn und Taxis stellen sie sich vor – in einem ungleich bunteren, vielfältigeren Mix als im vergangenen Jahr, als es gerade einmal fünf Neuzugänge zu vermelden gab.

Junge Wilde und Romantiker

Mit junger, aber bereits sehr routinierter Malerei überzeugen Sarah Bechter (1989) und Linus Barta (1987). Barta beschäftigt sich mit Köpfen, Typen und Porträts und mit Farbe, die sich als Material schon einmal verselbständigen kann, während die aus dem Bregenzerwald stammende Sarah Bechter die raumbildenden Möglichkeiten ihres Mediums auslotet. Zwischen Zwei- und Dreidimensionalität praktiziert sie einen äußerst eigenwilligen Umgang mit perspektivischen Darstellungen. Mit narrativer Malerei und Collagen, wie den im Großformat übermalten Buchdeckeln, stellt sich Katja Berger (1973) vor. Bruno Richard (1960) malt romantisch, naiv, in den Fotografien des selbstgekürten „Musenvogts“ dominiert häufig nackte Haut, eingebettet in lasziv-mysteriöses Geschehen. Dabei könnte doch alles so schön sein, und im Idealfall auf gute visuelle Nachbarschaft ausgelegt, denn in der gleichen Koje ist auch GH Lischka (1943) und mit Ruth Schnell (1956) der wohl prominenteste Neuzugang vertreten. Lischka, der Philosoph, der 2018 das gesamte Haus bespielt hat und mit seinen geistreichen Wort- und Gedankenspielen noch bestens in Erinnerung ist, lädt zum Sitzen und Lesen seiner handgeschriebenen Zeitung ein. Ruth Schnell zeigt drei Arbeiten aus ihrer neuen Werkserie „Quotes“, die sich inhaltlich auf Fragestellungen zu Forschungsethik und der Verantwortung von Wissenschaft bezieht und Bildmotive und Zitate wie „Wir haben es nicht getan!“ von Robert Musil mittels UV-Druck auf Platinenrohlinge bannt.

Perfekte Visitenkarte

Einen Einblick in seine vielgestaltige Produktion gibt Tobias Maximilian Schnell (1973) mit dem ironisch-beweglichen Objekt für „Trittbrettfahrer“, ebenso wie Peter Lederer (1963) mit seinen zuweilen subversiven Objekt-Collagen, während sich Bruno Klomfar (1961) in seinen beidseitig auf Alu aufkaschierten Fotoarbeiten mit den transformativen Zuständen von Raum und gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich in der Architektur manifestieren, beschäftigt. Der Gravität widmet Ulli Knall (1970) ihren Raum. Sie lässt die Welt in Bildern Kopf stehen und ein zerschelltes Blumenarrangement auf einem Drehteller enden. In den Nischen wachen die markanten, hölzernen, teilweise gefassten Ahnenfiguren von Gernot Riedmann (1943) und Tim Hartmann (1986) zeigt sein Werk „bourgeois, male white“. Ein Spätberufener ist Lothar Sonnweber (1955), der mit einem gedrechselten Holz-Objekt, das seine Körpermaße zum Ausgangspunkt hat, und mit Graphit-überzogenen Wandreliefs vertreten ist. Auf den Punkt gebracht ist der Auftritt von Matthias Bildstein (1978) und Philippe Glatz (1979). Dem österreichisch-schweizerischen Duo genügt zur Vorstellung eine Fotomontage mit dem ironischen Titel „This are we“. Auch so kann eine perfekte Visitenkarte aussehen.

Malerei von Linus Barta.

Malerei von Linus Barta.

Fotomontage des Duos Bildstein/Glatz.

Fotomontage des Duos Bildstein/Glatz.

Skulptur von Ulli Knall. AG
Skulptur von Ulli Knall. AG

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Gallusstraße 10, Bregenz, bis 1. März geöffnet, Di bis Sa von 14 bis 18, Sonn- und Feiertag von 11 bis 17 Uhr.