Diese „Salome“ klingt gut, schaut gut aus und fasziniert

Kultur / 22.01.2020 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Szene in der Neuinszenierung der Oper „Salome“ im Theater an der Wien mit Jochanaan, Salome und Herodes. THEATER/KMETITSCH

Nikolaus Habjan nahm sich als Puppenspieler zurück, kreierte im Theater an der Wien aber eine psychologisch starke „Salome“.

Christa Dietrich

Wien, Bregenz Keine Frage, es ist der Abend von Marlis Petersen. Die Sopranistin hat jüngst unter Kirill Petrenko an der Staatsoper in München in der Rolle der Salome debütiert. Dass der riesige Orchesterapparat, den Richard Strauss für die 1905 uraufgeführte Oper „Salome“ vorsah, die brillante Stimme einmal nicht ganz durchlässt, kann im Theater an der Wien nicht passieren, man hat das Instrumentarium für das kleine Haus zudem nicht einfach eingedampft, sondern erlaubt sich eine immer noch klangvolle Fassung von Eberhard Kloke.

Erdrückt wird man lediglich von einem etwas zu sehr in die Höhe gebauten Zisternen- und Stufenbühnenbild von Julius Theodor Semmelmann. Im Palast von Herodes herrscht Dekadenz in einer abstrahierten Gegenwart, in der der religiöse Aspekt trefflich mit Fanatikern verschiedener Art und verschiedenen Grades und ebenso gefährlichem Aberglauben abgedeckt ist. In München wählte Krzysztof Warlikowski die 1930er-Jahre und konnte somit Flucht und Verfolgung einbauen. Heranzuwachsen und dabei ein gutes Körperbewusstsein zu entwickeln, das ist für die junge Salome da wie dort schwer.

Das Konzept geht auf

Nikolaus Habjan, der sein Metier als Puppenspieler und Regisseur immer mehr in Richtung Operninszenierungen ausbaut, und dem die Bregenzer Festspiele auch heuer wieder einen Abend überlassen, besetzt in diesem Fall nur zwei Rollen doppelt, die der Salome und die des Jochanaan. Was andere Regisseure etwa mit der Hinzufügung von Schauspielern unternehmen, erledigt er – keine Frage – mit Puppen. Das Konzept geht dann auf, wenn man nicht nur davon ausgeht, dass es sich einerseits um den Körper und andererseits um die Seele handelt, sondern, wenn gerade die Salome-Puppe, mit der Marlis Petersen so gut umzugehen versteht, als Wesen interpretiert wird, das die Außensicht darstellt. Im Schleiertanz, der quasi zu viert, mit einer darstellerisch grandiosen Petersen, aber auch mit Herodes, der Puppe und dem vom Körper gelösten Jochanaan nach einer Choreografie von Esther Balfe realisiert wird, offenbart sich der psychologische Kern. Angesichts des Begehrens der Männer ist die junge Frau nicht mehr in der Lage das eigene Begehren einzuordnen. Wir wissen, wie es ausgeht, sie fordert den Kopf des Propheten. Ihren von Herodes angeordneten Tod braucht Habjan in der Tat nicht zu zeigen. Es herrscht hier ohnehin kaum noch Leben. Aber präzise Musik. Leo Hussain leitet das RSO Wien und mit Marlis Petersen, mit Johan Reuter (Jochanaan) oder John Daszak (Herodes) und Martin Mitterrutzner (Narraboth) ein begeisterndes Ensemble. Diese „Salome“ klingt gut, schaut gut aus und fasziniert.

Weitere Aufführungen der Oper „Salome“ von Richard Strauss im Theater an der Wien vom 23. bis 30. Jänner: www.theater-wien.at