Eine schräge, aber gelungene Gratwanderung

Kultur / 22.01.2020 • 18:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Jojo Rabbit“ dreht sich um einen Buben, der Adolf Hitler zu seinem imaginären Freund macht. ap
„Jojo Rabbit“ dreht sich um einen Buben, der Adolf Hitler zu seinem imaginären Freund macht. ap

„Jojo Rabbit“ ist ein satirischer Seitenhieb auf Hassideologien.

Drama, Komödie Der zehnjährige Johannes, ein strammer Nazi-Anhänger, hat den ungeliebten Spitznamen „Jojo Rabbit“ weg. Im Trainingscamp der Hitlerjugend war es für den Blondschopf nicht gut gelaufen. Erst versagt er bei der Mutprobe, einem Häschen das Genick zu brechen. Dann noch Pech mit einer Handgranate, das Gesicht vernarbt, das Selbstbewusstsein im Keller. Der als Angsthase verlachte Junge baut daher auf einen imaginären Freund: Adolf Hitler. Eine selbstgefällige Witzfigur, mit NS-Uniform, Schnurrbärtchen und straff zur Seite gekämmten Haaren. Der „Freund“ taucht in Jojos Leben ständig auf, gibt Ratschläge und zieht über Juden her. Nur er und die Zuschauer sehen ihn. Seiner alleinerziehenden Mutter Rosie (Scarlett Johansson) und den Freunden verheimlicht er den Freund. Auch die Gruppenführerin Fräulein Rahm (Rebel Wilson) und Hauptmann Klenzendorf (Sam Rockwell) ahnen nichts.

Vierfache Rolle

Anfangs glaubt Jojo (Roman Griffin Davis) fest an das, was ihm die imaginäre Vaterfigur erzählt. Doch nach und nach wandelt sich sein Denken, ausgerechnet durch die Begegnung mit einer jungen Jüdin. Seine Mutter hat das Mädchen Elsa in einer Dachkammer im Haus versteckt. Langsam gewinnt diese sein Vertrauen.

Die Nazi-Satire von Taika Waititi ist eine schräge, aber gelungene Gratwanderung. Witz hat der Regisseur und Schauspieler schon oft bewiesen, etwa mit der Vampirgroteske „5 Zimmer Küche Sarg“. Nun schlägt er gleich vierfach zu: als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und in der Hitler-Rolle.

Als „Anti-Hass-Satire“ hatte Waititi den Film im September beim Filmfest in Toronto vorgestellt, er wurde Festival-Sieger. In Hollywood gab es zwei Golden-Globe-Nominierungen – als „Beste Komödie“ und für den zwölfjährigen britischen Nachwuchsstar Roman Griffin Davis. Dazu sechs Oscar-Nominierungen, darunter in der Topsparte „Bester Film“, für Nebendarstellerin Johansson und für das von Waititi adaptierte Drehbuch.

Jojo Rabbit

Regie Taika Waititi

Darsteller Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Scarlett Johansson, Taika Waititi, Sam Rockwell, Rebel Wilson

Start 23. Jänner